Warum wir es lieben auf dem Land zu leben

NaturlebenDie letzten Wochen wurde es mir wieder so richtig stark bewusst: wir sind total glücklich auf dem Land beziehungsweise in einer Kleinstadt zu leben. Ich war mit dem Kindlein ziemlich oft in der großen Stadt – der Hauptstadt – unterwegs. So ein Shoppingcenter ist für so ein Kleinkind wie ein riesiger Abenteuerspielplatz. Und da es ihr in letzter Zeit zu hause sehr schnell sehr langweilig wird, schlendern wir gerne hin und her und shoppen, bis die Karten glühen.

Und weil ich nicht nur mit dem Auto in der Tiefgarage parke, ins Center gehe und anschließend wieder fahre, haben wir auch mal die Zeit genutzt und sind so ein bisschen durch die große Stadt geschlendert. Ich habe ja sehr viele Jahre direkt an der Spree gearbeitet und an der Warschauer Straße und im Pendelverkehr viele Dinge gesehen und erlebt. Irgendwie hatte ich es in den letzten 1 1/2 Jahren vergessen.. vergessen wie schlimm es riecht, wie laut und wuselig es ist, wie unübersichtlich.. vergessen das man Dinge sieht, die man eigentlich gar nicht sehen will. Ich war mit dem Kindlein wirklich nicht sehr lange unterwegs, aber wir sahen wirklich wieder viel Elend, vor allem aber auch unendlich viel Beton. Und gab es dann doch mal ein Stückchen grün, so war es voll mit Kippen oder Tierkot. Traurig :/.

Klar, ich kann eine Stadt eine nicht über einen Kamm scheren, es gibt überall total herrliche Ecken… und ich vermisse beispielsweise so kleine niedliche Cafés bei uns in der „Stadt“… oder so tolle kleine Boutiquen, Kinderläden, Baby- und Kinderkurse. Aber ich würde nicht für 100.000 EURO in die große Stadt ziehen. Niemals! Dazu muss ich sagen, dass wir einen wirklich großen Vorteil haben: mit dem Auto sind es einmal 20 Minuten und einmal 30 Minuten bis in die beiden großen Städte, die alles bieten, was wir brauchen. Sollte man der Natur also überdrüssig werden, so kann man schnell ins Gewusel fliehen. Ich bin leider ein Konsumjunkie und liebe Shopping… daher bin ich ganz froh um diese kurzen Strecken. Und mal ganz ehrlich? Innerhalb der Hauptstadt braucht man oft mehr als 20 Minuten von A nach B. Insofern haben wir da wirklich großes Glück.

Hier in unserer Kleinstadt öffne ich morgens die Tür und stehe im Gras, barfuß.. und schaue mit dem Kindlein in den blauen, wolkenverhangenen Himmel. Es gibt nichts schöneres als mit ihr durch den Garten zu flitzen und ihr danach mit dem Gartenschlauch die kleinen Steinchen vom Weg von den Füßchen zu spritzen. *herz* Sie liebt ihr Trampolin über alles… wir verbringen viele Stunden auf dem Hüpfteil, schauen in die Wolken und ich erkläre ihr das Wetter, die Natur, all diese tollen Vorgänge. Sie rollt sich dann von einer Seite zur anderen und kichert so niedlich.

300 Meter zu Fuß haben wir einen großen See und der Wald ist direkt hinter unserem Grundstück. Wir laufen jeden Tag hinein, beobachten auch schon mal ein Reh oder Vögel, pflücken Brombeeren oder stapfen bis zum verborgenen See, der sich mitten im Wald versteckt. Oder wir quatschen mit dem Nachbarsjungen.. er schiebt ein bisschen den Kinderwagen bis zu den Hühnern nebenan, die sich das Kindlein minutenlang ansehen möchte. Es ist einfach ruhig und schön… wobei ruhig mein Stichwort ist. Nichts ist für mich schlimmer als Lärm. Das fand ich immer sehr belastend, als ich noch in der Hauptstadt gearbeitet habe. Dieser unsagbare Lärm. Autos, Züge, schreiende Menschen… und hier… ist es still… man hört höchstens das Rauschen der Bäume im Wald oder ein paar Eichhörnchen, die wieder über die Zweige jagen. Wir sind so glücklich, dass unser Kindlein hier groß werden kann, mitten im Grünen, mitten im Nirgendwo und doch so nah am Puls der Zeit.

Hier sind die Probleme der Großstadt oft ganz weit weg… wir haben genug Kitaplätze (dank Ausbau), trotzdem einen Babyboom, einen wunderschönen Spielplatz, ein Freibad, eine schöne Altstadt, Restaurants und und und. Und ich weiß es erst nach den Erlebnissen der letzten Wochen wieder so richtig zu würdigen, dass wir hier leben dürfen. Inmitten vom Nichts. Es ist so herrlich und so schön fürs Kindlein. Vermutlich wird sie als pubertierender Teenager ähnlich wie ich damals rufen „ick zieh hier weg, sobald ich 18 bin!“… das hat bei mir auch nicht lang angehalten. Heimat ist eben Heimat und ich bin sehr glücklich darüber, dass das Kindlein in die Schulen gehen wird, die ich bereits besucht habe. Und ich hoffe so sehr, dass sie dieses Stückchen Erde hier irgendwann als ihre Heimat sieht, ein Ort an dem ihre Wurzeln und ihre Vergangenheit liegen. *herz*

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