Schub Schub, hurra… nicht!

Sprung

Über unseren nie enden wollenden Schub mit 17 Monaten:

Wenn man Eltern wird, dann kommt man an der Bibel „Oje, ich wachse“ nicht vorbei. Ich habe dieses Buch geliebt und gehasst. War ich mal wieder kurz davor den Rand der Verzweiflung selbst herunter zu springen, habe ich einfach hinein geschaut und war beruhigt – zumindest dezent. Es gab mir ein gewisses Gefühl von Sicherheit. Denn nichts ist besser als zu wissen: Du bist nicht allein! Du hast keine Vollmeise! Dein Kind ist normal – soweit so ein Buch das überhaupt beurteilen kann.

Das Schreckliche: auf dieser Übersichtsseite mit all den Sprüngen, die so ein Baby macht, waren – für mich – gefühlt immer mehr Wolken als Sonne. Hatte man einen Sprung geschafft und das Kind konnte plötzlich was Neues, stand auch schon die nächste Zerreissprobe auf dem Programm. Man kam vom Regen in die Traufe. Ich mag das Buch auch wegen der teilweise haarsträubenden Zitate nicht. Da wird vom Schreien lassen berichtet… etwas was nicht in meinen Kopf will und dort auch niemals ankommen wird.

Nun dachte ich eigentlich, dass das Kindlein fertig sei mit seinen Sprüngen. Ich hatte das Buch jedenfalls schon gefühlte 100 Jahre nicht mehr in der Hand. Wozu auch? Die Zeiten wo sie scheinbar so ganz ohne Grund meckerte waren ja auch irgendwie vorbei. Jetzt kann sie nicken und den Kopf schütteln und eben auch auf Dinge zeigen, die sie will. Das öffnet das Tor zur Eltern-Kind-Kommunikation und erleichtert das Zusammenleben so unwahrscheinlich, dass man darüber einen Roman schreiben könnte.

Nun änderte sich aber in den letzten Wochen etwas. So ganz heimlich schlichen sich nicht bekannte Verhaltensmuster ein… und wir als Eltern schauen einander erneut verzweifelt an und wissen nicht, was wir tun können. Ich weiß nicht mal genau, wann diese Phase begonnen hat und ob es wirklich ein Schub mit 17 Monaten ist, oder einfach schon mit 15 oder 16 Monaten begonnen hat.

  • sie schläft ganz schlecht ein. Sowohl Mittags, als auch Abends. Es kam auch schon vor, dass sie den Mittagsschlaf komplett geschmissen hat und bis Abends ohne Probleme durchhielt. Wo sie früher nach dem Stillen ganz entspannt mit Peter Pan um die Wette flog wird nun gewütet, gekrabbelt, Mama geknutscht, gehauen, getreten, gelacht… es wird alles gemacht, nur nicht ins Traumland gefunden.
  • damit geht einher, dass sie ganz schlecht abschalten und runter fahren kann. Eigentlich gar nicht. Momentan müssen wir sie sehr sehr sehr oft in den Schlaf schaukeln und den ein oder anderen Tag kamen wir nicht ohne das alt bewährte aus: Tragetuch.
  • sie stillt nachts wirklich teilweise alle 30 Minuten, meistens aber alle zwei Stunden. Wir hatten wenige Tage, in denen sie mal drei Stunden am Stück schlief, mehr war aber nie drin. Man spürt ganz deutlich, dass sie eine gewisse Sicherheit abruft, vor allem nach mir, der Mama. Will Papa sie beim Aufwachen beruhigen wird laut Mama geschrien und auf die Tür gezeigt.
  • „neeeeeiiin“ kannte sie ja schon eine Weile. das Wort entwickelt sich hier aber gerade zum absoluten Hit und wird sehr oft benutzt. Zu oft? Keine Ahnung, aber ihr Willen wird stärker und deutlicher. Das macht uns bisher keine Probleme, da wir es trotzdem hinbekommen. Nichts desto trotz ist es sehr interessant zu sehen und nicht zu leugnen, dass sich da was tut in diesem kleinen Kinderhirn.
  • Reden, nachplappern, wieder erkennen. Abgesehen von der wirklich krassen Motorik, die sie ja schon immer an den Tag legte sprudeln die Wörter ja gerade nur so. Jede Woche kommen aktuell kleine Miniwörtchen hinzu. Ebenso lernt sie immer mehr, wie bestimmte Dinge heissen, kann praktisch ihren ganzen Körper „benennen“ und auf die richtigen Stellen zeigen. Man spürt aber ganz deutlich, dass sie sehr oft frustriert ist, da sie sich noch nicht so äußern kann, wie sie möchte. Kleiner Wüterich *seufz*

Es gibt aber auch Positives zu berichten:

  • Papa geht wieder besser. Eine zeitlang war der Papa nur tagsüber zum Spielen ein idealer Partner. Ins Bett bringen, schuckeln bis man eingeschlafen ist, Nachts beruhigen? Keine Chance. Mittlerweile kann er sie immerhin wieder in den Schlaf begleiten, was für mich sehr erleichternd ist.
  • Sie schäkert! Ich weiß nicht so recht, wie ich das finden soll. Wir hatten hier ja monatelang (ehrlich gesagt seit der Geburt) das skeptischste Kind der Welt. Es wurde nie und nimmer eine Mine verzogen, kein Lächeln huschte über die süßen Lippen. Und nun lacht sie die Kassiererin an und winkt ihr zum Abschied. Im Ikea rennt sie zu anderen Kindern und will spielen. Sie taut einfach insgesamt merklich auf, wird offener und entspannter.

Wann endet das nun? Laut dem Plan von „Oje ich wachse“ (der übrigens jetzt dann endet) sollte hier Sonnenschein herrschen. *hust* Davon ist nix zu merken. Und bisher haben die schlechten Zeiten eigentlich bis auf die Woche exakt gestimmt – was mich manchmal wirklich erschrocken hat. Ansonsten gebe ich nicht viel auf das Buch und versuche es wie immer: Augen zu und durch! Wir werden auch diesen Sprung schaffen und gestärkt aus ihm hervor gehen… hoffe ich doch zumindest! *hehe*

Autor

One comment

  1. Das Praktischste an diesem Buch ist tatsächlich diese Übersicht aller Schübe – mit dem Rest kann ich meistens auch nicht viel anfangen 😉 Die Zitate regen mich immer sehr auf (es kommt ja auch Aggression vor, wo jemand sein Kind auf den Wickeltisch wirft oder so… schrecklich) und die Erklärungen zu den Schüben sind so allgemein gefasst, dass es eh immer allgemeingültig ist und es sich auf nichts Genaues festlegt.
    Dann wünsche ich euch, dass auch dieser Schub wieder bald vorüber geht. Und immerhin hat er ein paar angenehme Dinge mit sich gebracht… 🙂

    Liebe Grüße,
    Franzi

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