Papa arbeitet…

Familie… oder warum ich mich eigentlich immer wie eine Alleinerziehende fühle.

Es ist nicht so, dass das Kindlein und ich allein wären. Es gibt einen Papa und einen Ehemann, mit dem ich glücklich verheiratet bin. Wir sind eine kleine happy family... trotzdem habe ich zu 99% das Gefühl, alleinerziehend zu sein. Das liegt natürlich zum einen daran, dass ich die Mutter bin. Ich war und bin die Milchbar, ich schlafe mit ihr in einem Bett (da sie mich nachts wie ein Vampir leer saugt), ich bin ihr Seelentröster. Papa ist Morgens und Abends zusammengerechnet vielleicht 1 1/2 Stunden an ihrem Leben beteiligt. Das ist wenig, sehr wenig. Und er nimmt natürlich auch immer die guten Phasen mit: kurz nach dem Aufstehen, da isse gut drauf, es gibt Rituale die er einhalten kann. Kurzum: es gibt was zu tun mit dem Kind. Abends wird rumgealbert, wenn sie nicht eh schon im Bett liegt.

Aber nachdem er zur Arbeit gefahren ist, stehe ich allein da… und die Zähne sind geputzt, sie hat nichts gefrühstückt, ist frisch gewickelt und angezogen. Dann steht sie da. Quengelt. Will etwas erleben. Was aufregendes natürlich. Also machen wir dieses und jenes, gehen raus, auf den Spielplatz, besuchen Freunde, gehen einkaufen, tollen im Garten herum, springen Trampolin, sammeln Kastanien oder beobachten die Hühner. Springen durch Pfützen, essen kein Mittag, machen Mittagsschlaf, fahren mit dem Anhänger wieder auf den Spielplatz, drehen eine Runde im Kinderwagen, spielen hier und da. Ich ziehe sie um, wickle sie, sage „nein“, klatsche Beifall, ermutige sie, freue mich, weine mit ihr, trage sie umher, begleite sie in jeden Schlaf, kuschle mit ihr, ertrage jede Laune, jeden Sturz, der eilig mit Weinen einhergeht. Ich schaue Bücher mit ihr, latsche durchs Shoppingcenter, mache die Eingewöhnung in der Kita, fahre mit ihr an den See. Ich fühle mich allein… und selten als Familie. Dieses Gefühl kommt ansatzweise am Wochenende auf – oder im Urlaub… der zugegebenermaßen 1000 Jahre her ist. Wenn wir Glück haben, kommt der Papa mal einen Nachmittag mit aufs Kitafest oder begleitet uns zum Arzttermin. Er kann sich solche Zeiten frei schaufeln… aber es sind eben doch nur mal ein oder zwei Stunden. Es sind keine Tage zu Dritt. Und am Ende des Tages sind es wieder nur wir zwei, die durchs Leben schreiten.

Das Wochenende ist toll… da ist der Papa da, frühstückt in Ruhe mit uns und nimmt mir das Kindlein ab. Was er sehr sehr gerne tut. Aber tief im Innern weiß ich, dass ich ihm die Maus auch nicht 24 Stunden aufdrücken kann. Immerhin arbeitet er und braucht ebenso Erholung und seine Freizeit. Zeit, mit Freunden, außerhalb von uns. Und das ist ok. Er darf das, ich akzeptiere das und freue mich für ihn, plane eben im Gegenzug etwas anderes.

Trotzdem: manchmal fühl es sich nicht wie „Familie“ an… es ist eben eher ein Mama-Tochter-Ding. Zumal ich NIE mal Freizeit habe. Ich kann Abends nie weg, da sie sich Nachts ausschließlich durch mich beruhigen lässt und ich somit nicht einmal den Ansatz von Spielraum habe. Kein Kino, keine Party, nichts. Neulich schaffte ich es auf einen Tupperabend und bekam nach drei Stunden eine verzweifelte Sms, wann ich denn endlich nach Hause kommen könnte. Es ist nicht so, dass ich es nicht gerne tue. Aber ich gebe zu, dass ich das unterschätzt habe…. die wenige Zeit, die einem eigentlich als Familie bleibt. Und wenn ich in etwa einem Jahr wieder arbeiten gehe, wird das nicht einfacher. Eher schlechter. Dann werden die Wochenenden noch kostbarer und man arbeitet wieder nur noch dafür… :/ Oder für den Urlaub. Oder für eine Stunde gemeinsame Zeit. Oder für einen Tag, an dem man schon mal Mittags das Büro verlassen kann. Es ist wie verhext.

Und es stimmt mich traurig. Ich finde gemeinsame Zeit so wahnsinnig wichtig… zumal das Kindlein in den letzten Tagen arg auf ihren Papa fixiert ist. Sie zeigt morgens auf die Tür und sagt „Papa“, weint, wenn er geht, das Zimmer verlässt und die Tür hinter sich zu zieht. Das bricht mir wirklich das Herz. Aber es ist wie es ist… letztlich bleibt der Großteil an mir kleben. Und das, obwohl mein Mann sich wirklich immer Zeit genommen hat, wenn etwas wichtiges anstand. Das rechne ich ihm hoch an. Flexibel isser, da kann ich nicht meckern. Ich schicke ihm jeden Tag mehrere Bilder und bekomme dafür ganz viele Smilies, virtuelle Herzen und Küsse. Ich will versuchen, ihn doch irgendwie einzubeziehen, weiß aber, dass das auch mal nach hinten los gehen kann. Er ist traurig, nicht dabei sein zu können, freut sich aber ebenso über das Bild seines Kindleins. Wenn er abends nach Hause kommt und sie schon im Bettchen liegt, ist er traurig. Verständlicherweise. Hätte er doch gern noch etwas mehr Zeit mit seiner Maus verbracht.

Kann man daran etwas ändern? Nicht so wirklich. Mein Mann ist selbstständig. Er liebt seine Arbeit – und das ist in der heutigen Zeit eigentlich eher Seltenheit. Viele meckern.. und sind nicht glücklich. Mein Mann ist es! Und dadurch ist er ausgeglichen, was uns als Familie ja wieder zu Gute kommt. Ich hoffe trotzdem, dass wir vielleicht irgendwann mehr Zeit füreinander haben. Mehr Dreisamkeit. Mehr Familie. Und wenn es nur wenige Stunden sind.

Wie ist das bei Euch? Habt ihr auch manchmal das Gefühl, alleinerziehend zu sein? Oder seid ihr es vielleicht sogar? Ist Eurer Papa auch so traurig, so wenig Zeit mit dem Kind/ den Kindern verbringen zu können? Erfahrungen sind gern gelesen!!!

Autor

7 comments

  1. Es ist so eine blöde Zwickmühle heutzutage. Wenn die Frau mit dem Kind zu Hause in Elternzeit ist, können viele sich ohne das Einkommen des Mannes kaum über Wasser halten, also muss er sowieso meist arbeiten. Väter die Elternzeit nehmen, nehmen meist nur wenige Monate (dazu gab es auch in der Eltern-Zeitschrift erst wieder einen Artikel), zumal dies ja auch häufig mit Nachteilen im Beruf einhergeht.
    Was habe ich schon drauf geschimpft, dass man eigener Freund so ewig für sein Studium braucht? Klar, er arbeitet nebenher noch ein bisschen, aber von Regelstudienzeit ist schon seit drei Jahren keine Rede mehr. Und der Master ist noch nicht einmal begonnen. Dann kam das Kind und er konnte mich schon die ersten drei Monate super unterstützen. Wenn andere Mütter abgekämpft daherkamen, sah ich frisch wie ein Sommermorgen aus (haha, nein, so sehe ich eigentlich nie aus 🙂 Aber eben ohne die charakteristischen Ringe unter den Augen), weil wir uns mit dem Schlafen abwechseln oder er in der Nacht zum Wickeln aufsteht. Er war so eine große Hilfe und das Baby ist genauso gern bei ihm wie bei mir, was nicht auf alle Papas zutrifft.
    Einziger Nachteil: ich würde ja gerne mehr als ein Jahr Elternzeit nehmen, aber ohne mein Gehalt wird es knapp. Ich vertröste mich damit, dass er beim nächsten Kind sein Studium bald fertig haben sollte. Dann nehme ich mir auch die Zeit, die ich brauche.

    Ich bin sehr beeindruckt davon, dass du das alles alleine packst. Klar bin ich auch gerne mal mit unserer Kleinen einen Tag alleine, aber schon wenn ich sie eine Woche lang jeden Tag mehrere Stunden allein bespaßen muss, wird es irgendwann stressig. Dann bekommt der Freund sie in die Hand gedrückt, sobald er zu Hause ist und ich muss erstmal was für mich machen, an die Nähmaschine oder so. Diese Routine fehlt mir wahrscheinlich einfach noch.
    Vielleicht findet ihr trotzdem einen Weg, euch mehr als Familie zu fühlen. Das wünsche ich dir auf jeden Fall.

    Liebe Grüße
    Franzi

    1. Wie Du schon sagst… es ist eine Zwickmühle… ich glaube, dass was ihr habt ist trotzdem wunderschön.. denn: diese Zeit kommt nie wieder! Und wo andere Väter nur die ersten zwei Wochen zu Hause sind (so war es hier), habt ihr Stunden und Tage, die euch niemand nehmen kann. Das kann auch kein Geld schaffen…

  2. Hallo!

    Ja, ich fühle mich manchmal auch sehr alleine… Und mein Mann kommt abends schon gegen 17 Uhr nach Hause, so dass er tatsächlich mehr Zeit mit dem Lütten verbringen kann. Aber alle Termine, egal ob Arzt, Kurs oder sonstiges bleiben auch hier an mir hängen :-/
    Und es gibt Tage, da zähle ich die Stunden, bis er nach Hause kommt, damit ich endlich mal kurz weg kann.
    Denn hier sieht es auch so aus, dass ich abends nicht weg kann. Mein kleiner Mann geht nämlich ohne mich nicht ins Bett :o( Nur Einschlafstillen geht, alles andere wird mit fürchterlichem Geschrei kommentiert, wo er sich dann auch wirklich reinsteigert, und dann ist an Schlaf gar nicht zu denken. Auch beruhigen ist nachts immer mein Job.

    Ich kann Dich also gut verstehen, obwohl es bei uns doch noch etwas besser aussieht.
    Kopf hoch!
    LG Nadine

    1. Von 17 Uhr kann ich nur träumen 😉 Neee… im Ernst: ich glaube ich bin auch einfach etwas durch mein Umfeld „geschädigt“… wenn ich dann meine Freunde und Bekannten sehe, wo der Papa um 16 Uhr von Arbeit kommt. Freitags natürlich schon 13 Uhr. Da könnte mein Kopf – und mein Herz ebenso – platzen.

  3. Liebe Kathi!

    Heute muss ich mal wieder einen Kommentar bei dir hinterlassen:

    Du schreibst, dass dein Mann selbstständig ist. Sicherlich arbeitet er daher mehr, als ein klassischer Angestellter. Aber wie du richtig schreibst, genießt ihr dadurch auch eine Flexibilität, von der viele Angestellte nur träumen können. Welcher Angestellte – oder gar Schichtarbeiter – kann beispielsweise Frau und Kind zum Arzt begleiten?

    Ich verstehe, dass du dich manchmal wie eine Alleinerziehende fühlst. Aber ganz objektiv betrachtet fallen mir nicht viele Gruppen ein, denen es da besser geht: in nahezu jeder Familie muss mindestens ein Elternteil den Lebensunterhalt erwirtschaften, während sich das andere um die Kinder kümmern kann. Früher war das das klassische Modell. Leider reicht heute für viele Familien ein Gehalt nicht mehr aus, so dass sie zwei Jobs und Kinder unter einen Hut bringen müssen. Zudem ist ein rechtzeitiger Berufseinstieg nach der Babypause ja auch wichtig, um nicht beruflich abgehängt zu werden und für den Rest des Lebens von Gehalt und Karriere des (Ehe-) Partners abhängig zu sein. Das von dir beschriebene Gefühl, sich wie eine Alleinerziehende zu fühlen, bleibt wohl nur zwei Gruppen erspart: den Geissens dieser Welt und Arbeitssuchenden oder Hartz-IV-Empfängern. Zur ersten Gruppe zählen leider die wenigsten und die zweite ist eher nicht erstrebenswert…

    Liebe Grüße,
    Wolfi

  4. Pass auf dich auf! Auch eine Mama braucht mal Freizeit. Die musst du dir nehmen. Am Wochenende mal Sport machen oder alleine ins Cafe gehen. Ich habe im ersten Jahr mit meiner Tochter auch 24 Stunden Mama gespielt und dann erst, als ich wieder zu arbeiten begann kapiert, dass auch mein Mann mal auf sie aufpassen kann, wenn ich z.B. mal Schwimmen gehen möchte. Beim zweiten Kind habe ich mir jedes Wochenende ein paar Stunden Freizeit gegönnt, auch wenn ich in Elternzeit war und mein Mann Vollzeit arbeitete. Auch Mütter müssen mal frei haben.

  5. Liebe Kathi, ich habe gerade durch deinen Blog gestörbert und bin besonders an diesem Beitrag hängengeblieben. Er macht mich total traurig. Das was du erlebst, sehe ich auch bei vielen Freunden/Bekannten von mir. Ich habe das große Glück, dass ich im ersten Jahr nicht 24/7 alleine mit unserem Sohn war und auch unter der Woche viel Zeit mit meinem Freund verbringen konnte, zu dritt. Wir waren oft zu dritt auf dem Spielplatz, aber bei den meisten anderen Familien war nur die Mama da. Das tat mir immer so leid, denn diese Zeit kommt nie wieder… Ich finde es viel wichtiger, dass die Papas annähernd genauso viel Zeit mit ihren Kindern verbringen (gleich viel geht ja gar nicht, denn wir sind eben die Mamas), anstatt viel Geld zu haben. Deswegen bin ich dafür, dass alle Männer auch Elternzeit nehmen, die Kita-Eingewöhnung machen und danach auch Teilzeit arbeiten. Denn wir Mamas müssen auch an uns denken! Wir brauchen Auszeiten, Freizeit, Austausch mit Freunden… Wenn mein Freund dann doch mal ein-zwei Wochen viel zu tun hat und ich viel mit unserem Sohn alleine war, schlägt er dann meist von sich aus vor, mit dem Kleinen am Wochenende einen Tag zur Oma zu fahren und dann habe ich einen Tag nur für mich. Diese Zeit bedeutet mir so viel und ich kann etwas nur für mich tun und Kraft tanken. Das passiert etwa alle 2-3 Monate, also nicht ständig. 😉
    Ich wünsche euch von ganzem Herzen, dass ihr einen Weg findet, um mehr Zeit gemeinsam zu verbringen. Und ich wünsche dir, dass du auch etwas Zeit für dich hast.
    Alles Liebe
    Carolin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.