Ich baue einen Schneemann

SchneemannEs schneit.
Und es ist relativ mild.

Perfekte Bedingungen.
Ziehe dem Kindlein den Schneeanzug über und schlage kleine Purzelbäume, da sie sich die Handschuhe anziehen lässt – und wir so länger als 5 Sekunden draußen verbringen können. Habe die romantische Illusion den perfekten ersten Schneemann fürs Kindlein zu bauen. Natürlich wird sie fleissig mithelfen und freudestrahlend um den Schneeturm hüpfen. Mal schauen.

Gehe auf die Wiese vor unserem Haus und beginne eine Schneekugel zu formen. Trage Jeans – Fehler.

Aus dem Minischneekügelchen von der Größe eines Eis wird schnell ein Schneemonstrum, was ich dümmlich guckend vor mich hinrolle. Kind steht daneben und reicht mir Schnee, den ich zusätzlich dran pappen soll.

Nach der ersten Kugel stehen mir vereinzelt Schweißperlen auf der Stirn. Kind hackt mit der Schippe auf meinem wohlgeformten Schneeball herum.

Setze zum zweiten Schneeball an und schwitze wie in der finnischen Sauna vor mich hin. Hechle und spüre, wie meine Jeans vom Schneematsch immer feuchter wird. Trage den zweiten Schneeball zum ersten und hiefe ihn unter erbärmlichem Ächzen (was dem Aufschlagsschrei einer Tennisspielerin sehr nahe kommt) auf den ersten. Schneemannkörper ist fertig. Meine Handschuhe sind durchgesuppt. Kind fängt an zu quengeln.

Dritter Ball. Bräuchte jetzt vermutlich ein Sauerstoffzelt. Mein Herz rast und ich würde am liebsten an Ort und Stelle in den Winterschlaf fallen. Mit letzten Kräften hebe ich den weißen Ball auf die anderen beiden. Aus dem kugelrunden Körper Herrn Schneemanns bricht eine beachtliche Ecke heraus. Entnervt versuche ich, das Malheur zu beseitigen. Stopfe Schnee nach und kitte die tiefen Risse. Kind hat sich nun doch die Handschuhe ausgezogen und steht plärrend neben mir. Meine Beine brennen von der kalten Nässe, die sich immer weiter in meine Jeans frisst.

Sage dem Kind, dass wir noch eine Möhre brauchen, was es gekonnt ignoriert. Stattdessen presst es sich weiter an mein Bein und signalisiert mir mit rundernden Ärmchen, dass es hoch auf den Arm will. Ok. Gehen rein, ziehen uns aus. Vom Esszimmer aus sehe ich nun die drei Kugeln. Keine Augen, keinen Eimer auf dem Kopf, keinen Schal um das weiße Etwas und natürlich auch keine Möhrennase. Es dauert mehr als drei Stunden, bis meine Jeans wieder an meinen Beinen getrocknet ist. War zu faul, mich umzuziehen. Liegt am Schlafmangel. Jeder Schritt ist zu viel. Auch der zum Kleiderschrank.

Denke an früher und stelle mit Entsetzen fest, dass das wohl der erste Schneemann seit vielen vielen… ähm… vielen Jahren ist. Erinnere mich an ein Foto aus Kindetagen… ein Schneemann aus mindestens sechs runden Kugeln. Frage mich, wie ich das damals geschafft habe. Schöne, alte Kinderkondition. Beschließe den Schneemann am Folgetag zu vollenden. Mal sehen ob das klappt. Gute Nacht!

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One comment

  1. Hihihi,

    mir gings genau so! Die Kondition, vielleicht auch die Motivation zum Schneemannbauen ist nicht mehr die aus Kindertagen. Zum Glück waren mein 4 Jähriger Neffe und meine gleichaltrige Tochter aber gute Unterstützung, so dass wir es nach Weihnachten in Berlin zu einem halbwegs fertigen – 3 kugeligen – Schneemann gebracht haben.

    Ich wundere mich allerdings über deine Aussage: 6 Schneekugeln ÜBEREINANDER?!? Wie hast du denn solche Schneemänner damals stabilisiert? Müssen wir auch mal ausprobieren, wobei ich drei schon immer recht wackelig finde.

    Liebe Grüße aus London, wo es zwar vor kurzem geschneit hat, aber nur selten genug Schnee liegen bleibt, um daraus ein Schneemann zu bauen 😉

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