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Gedanken einer Mama

Eine Bank, ein Haken, viel Blut und eine Vollnarkose.

Bin unterwegs. Beruflich oder besser noch: der Ausbildung wegen. Fahre mit einer freiberuflichen Hebamme durch die Stadt, darf an Vor- und Nachsorgen teilnehmen. Die Sonne scheint an diesem Tag. Hell und warm. Kann mich an keine weiße Wolke erinnern, die sich am blauen Himmel entlang schiebt. Ein schöner Tag, ein warmer Tag.

Der letzte Termin. Ein Wochenbettbesuch. Ein toller Besuch bei einem tollen Paar. „Noch ein Eis?“ fragt die Hebamme. Überlege lang hin und her. Wäge Kalorien ab und lasse den bevorstehenden Genuss siegen. Entscheide mich entgegen aller Vorhaben für Schokolade mit Minze. Schlecke genüsslich an meiner Kugel Eis und werde durch einen After Eight Geschmack überrascht. Hatte das so nicht erwartet. Süssliche Frische in meinem Mund. Weinende Kinder an der Eisdiele. Wildes Treiben innen und außen. Fachsimpelei zwischen uns beiden. Frauen, die uns grüßen. Sonnenstrahlen auf der Haut, Eis auf der Zunge. Perfekter Abschluss.

Schlendern zum Auto. Der Motor startet. Krame mein Handy aus dem „Ohne Hebamme geht gar nix“ Stoffbeutel. Lasse das Telefon bei Besuchen immer im Auto. Aus allerlei Gründen. Sehe drei Millionen Nachrichten. Lese das Wort „Notaufnahme“. Herz stolpert. Sehe ein Bild. Herz rast. Lese Papas Satz „Lippenpiercing schief gegangen“. Schauriger Humor. Papa eben. Bringe kaum ganze Sätze heraus. Besorgtes Gesicht neben mir. Fahren eilig zu meinem Auto. Versuche den Mann telefonisch zu erreichen. Keine Chance. Schicke mindestens 1000 Nachrichten. Keine Antwort. Herz bleibt fast stehen. Starre wieder auf das Bild. Sehe Blut, eine angerissene Lippe, Kompressionen darauf, einen starren Blick meines Kindleins. Von „Nähen“ ist die Rede. Ich schlucke.

Am Auto. Weiterhin viel Sorge der Hebamme, fragt sich ob ich überhaupt Auto fahren kann. Nicke, verspreche aufzupassen, hechte zum Auto. Bleifuß. Unterwegs immer wieder der Versuch den Mann zu erreichen. Irgendwann sprechen wir. Das Wort Vollnarkose fällt. Tränen in den Augen. Herz hoppelt weiter. Gedanken an alte Greys Anatomy Folgen, in denen die Patienten nicht mehr aufwachen. Erinnerungen an den letzten Einsatz im OP. Keine gute Erinnerungen. Kurz danach steht fest: Operation unter Vollnarkose ist unumgänglich. Wunde zu tief, als das es lokal betäubt werden könnte.

Fahre weiter, verfluche alle anderem Autofahrer. Will zu meinem Mädchen. Obwohl der Mann mir versichert hat: alles gut. Tränen laufen. Passiere endlich die Schranke zum Parkplatz der Kindernotaufnahme. Mann simst mir die Zimmernummer der Station. Renne die Auffahrt hoch, drücke den Knopf des Fahrstuhls 10x. Kann keine Treppe entdecken und bleibe daher gefrustet stehen. Erreiche die Station, erreiche das Zimmer. Endlich. Tür auf.

Sehe mein Mädchen. Kurze Umarmung mit dem Papa. Mädchen in die Arme genommen. Schaut TV, ist abgelenkt. Muss mich arg zusammen reißen. Ihr Shirt ist voll mit Blut, es läuft seitlich am Mund entlang. Ein Schauer auf mir. Erklärung vom Papa. Kindlein stand auf einer Bank, wollte ihren Schlüsselanhänger von einem Holzbrett abnehmen, rutschte ab, hing wie ein Fisch an einem der Haken. Wurde zu schwer, Haken in der Oberlippe, fiel, Haken riss diese durch. Kind war kein Fisch mehr. Bilder im Kopf. Zu viele. Gedanken an das Gefühl, das Geräusch, das Blut. Kindlein war wohl nicht leise nach dem Geschehen, verständlicherweise. Papa blieb nach eigenen Angaben ganz ruhig. Lange Abwägung mit den Erziehern ob ein Krankenwagen gerufen werden muss. Entscheidung dagegen.

Kindlein starrt stumm. Kann nicht reden mit dem Verband. Streichle ihren Kopf. Immer noch so viele Gedanken im Kopf. Schreibe eine Liste mit allem was wir für die Nacht und den nächsten Tag brauchen, schicke den Papa nach Hause. Papa packt Taschen, Mama bleibt beim Kind. Schreibe Nachrichten an die Familien. Alle so besorgt. Bin nach außen ruhig, innerlich nichts außer Sorge um das eigene kleine Kind. Fülle Formulare aus. „Ist ihr Kinder schwanger.“ Lachen oder weinen. Keine Entscheidung. Warten. Warten auf die OP. Sekunden,Minuten und Stunden vergehen. Papa wieder da. Bekommen Kleidung für das Kindlein. Viele bunte Teddybären auf dem Hemd. Lustige Socken oben drauf. Kindlein bekommt einen roten Saft. Beruhigung. Abschuss erster Güte. Und dann. Der Moment.

Wir fahren zum OP. Spät Abends. 21 Uhr oder so.. so langes Warten, so dass das Kindlein halbwegs nüchtern in die Operation starten kann. Kommen an. Alle sehr nett. Großer Fernseher im Aufwachraum. Mindestens 50 Zoll! Der Pfleger schaltet sofort aufs Kinderprogramm. Kindlein beginnt zu lallen und lacht. – da wirkt wohl der rote Saft! Mama beginnt fast zu weinen. Weg mit den Tränen, schnell. Noch nicht, später. Viele Gespräche mit dem Kindlein über den Ablauf. Dann Startschuss. Trennung. Kopf platzt. Beiße in meine Hand. Müssen gehen. Herzrasen, Sorgen, Kummer, Liebe. Tür hinter uns geht zu. Kalter, greller Warteraum. Vorher Umarmung mit dem Papa. Tränen. So viele Tränen. Wimperntusche am Shirt. Angst, Sorge, Wut, Trauer. Angst Angst Angst. Mutter sein ist scheiße. Papa geht zum Snackautomaten. Mein Blutzucker im Keller. Esse Schoki und trinke jede Menge Ungesundes. Warten. Warten. Warten. Drehe meine Runden in dem kleinen Raum, erkunde jede kleine Ecke, wo es nichts zu erkunden gibt. Dunkelheit draußen. Immer wieder Tränen und Angst. Kein Halten mehr. Laufe auf dem Flur auf und ab.

Tür geht auf und die Kinderchirurgin steht vor uns. „Alles gut, Narben bleiben.“ Freude und Trauer zugleich. Postieren uns vor der großen Schleuse. Warten. Dann endlich, Tür auf. Leichtes Winken einer Schwester. Gehen. Schnell. Am Bett. Kindlein an Monitoren, alles piepst. Sie schläft, ihre Wunde ist säuberlich verklebt. Stühle werden gebracht, es ist fast komplett leer in den vielen Operationssälen. Streichle ihren Haaransatz, Küsse überall. Mein starkes Mädchen. „Sie muss einmal aufwachen“ heisst es. Zeit vergeht. Viel Zeit. Kuscheln, reden, kitzeln. Irgendwann offene blaue Augen. Verzerrtes Gesicht. Versuche des Kindleins, sich alle Kabel zu entreißen. Tränen. Auf allen Seiten. Kindlein wird bald ruhiger, das Kinderprogrammschafft minimal Abhilfe. Neben unserem Mädchen liegt ein am Bein operierter Mann – er ist abgeschossen mit dem guten Zeug. Sagt der Schwester, er möchte sie heiraten. Räumt im nächsten Satz ein, wie high er noch ist. Macht Spaß mit dem Kindlein. Schwester reicht der Maus eine Tapferkeitsurkunde. Kindlein ignoriert sie. Nach einer Ewigkeit des Wartens endlich Abholung durch die Schwester. Zurück auf die Station. Ansagen. Kuscheln. Bettfertig. Papa fährt nach Hause. Kindlein schlürft Wasser durch einen Strohhalm. Klagt über Hunger. Trinkt Babybrei durch den gleichen Strohhalm. Danach noch mehr kuscheln im Bettchen. Kindlein schläft geklammert an mich ein. Gedanken rattern. Erschöpfung überall. Doch kein Schlaf, stattdessen so viel Demut. Über diese Kleinigkeit. Kopfgedanken an andere Kinder mit anderen Schicksalen.

Finde nicht recht in den Schlaf und schaffe so vielleicht zwei oder drei Stunden. Höre die Nachtschwester. Nachts um 4: Kindlein muss auf die Toilette, will die Infusionen los werden. Schleppe uns ins grelle Neonlicht. Danach zurück in den vermeintlichen Schlaf. Irgendwann ist endlich der nächste Morgen. Kindlein matschig, außen und innen. Mama noch erschöpfter als am Tag zuvor. Müdes Reiben der Augen. Gedanken an einen Traum? Dann endlich nach dem Frühstück, bei dem das Kindlein nichts isst, die Visite. Ärztin gibt letzte Anweisungen für die nächsten Tage. Papa ist schon da. Hat Geschenke dabei. Fürs Kindlein. Tapferkeit und so. Werden offiziell entlassen. Packen alles zusammen. Nehmen das Kindlein fest zu uns. Tragen es fest an uns zum Auto. Fahren nach Hause und packen die großen Playmobil Geschenke aus. Langsam kommt das Realisieren. Spannungsabfall. Zwischendurch verdrängen. Zurückgeholt werden durch den Anblick des Kindleins. Ihre Lippen sind stark geschwollen und sollen es auch noch die nächsten Tage bleiben. Am Tag darauf geht es zur Kinderärztin. Alles gut, top genäht, so ihre Aussage. Kindlein knabbert schon wieder kleine Sachen und macht nur Quatsch.

Schnell passiert, schnell vorbei? Monate vergehen. Narben bleiben.. und ja, bis heute sieht man den Unfall. Wir hoffen, dass es sich irgendwann verwächst. 2017 war und ist irgendwie nicht unser Jahr.. herrje..  und daher nehmen wir uns fest vor: keine Unfälle mehr in 2018.

Piraten sind doch nicht für Mädchen, Papa!

„Piraten sind doch nicht für Mädchen Papa!“

…sprach das Kind bei einem Outfit, welches an Piraten und Seeräuber erinnerte. Es klingelte in meinen Ohren. Mein Alptraum ist wahr geworden. Mein Kindlein… mein über alles geliebtes Kindlein… unterscheidet mittlerweile ziemlich deutlich zwischen Mädchen und Jungen. Dabei haben wir doch alles gegeben? Hehe… gut, das soll keiner dieser „die Industrie ist sooooo scheiße“- Posts werden. Aber fangen wir mal von vorn an – bitte alles mit einem Fünkchen Humor lesen.

Das Kindlein wurde geboren. Ein Mädchen. EIN MÄDCHEN! Ich habe geweint, als wir erfahren haben, was es wird. Ich wollte schon immer ein Mädchen. Ich hätte so lang Kinder gemacht, bis ich ein Mädchen habe. Jedenfalls wurde mein Traum wahr. Irgendwann in der 16. Schwangerschaftswoche habe ich damals die ersten kleinen Teilchen geshoppt. Sehr zum Missfallen meiner Frauenärztin, die meinte ich solle vorsichtig mit zu verfrühtem Einkaufen sein. Egaaaal… ich war im Rausch. Im Hormonrausch. Als ich dann durch die ersten Gänge schlenderte merkte ich sehr schnell: Rausch vorbei. Alles hässlich, alles ätzend. Der Boden der Tatsachen hatte mich sehr schnell wieder. Ich fand mich in der rosa glitzerbestückten Hölle wieder. Wohin das Auge reichte: Horrorkabinett. Und so verbrachte ich die kommenden Monate mit einer Hauptaufgabe: die Suche nach ertragbarer Kleidung, die möglichst neutral ist. Denn irgendwie war schon vorab klar: Nummer 2 wird es irgendwann geben. Und falls sich dann da doch ein Junge einschleichen sollte, wären wir bereits kostengünstig vorbereitet.

Gelb-grüner Roller. Hätte es auch in pink-lila-rosa gegeben.

Und so suchte und suchte und suchte ich… und musste deswegen auch viel Kritik einstecken. Ich würde übertreiben und dem Baby sei es doch egal, welche Farbe es tragen wird. Mag sein, aber je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, umso aggressiver machte mich dieses Schubladendenken im Handel. Ich meine, es gibt mittlerweile Chips und Überraschungseier für Mädchen und Jungen. Da stellt man sich doch die Frage: sind denn alle bekloppt auf dieser Welt? Und so hielt ich recht starr an meinem Plan fest und versuchte viele Dinge, um das Kindlein neutral und wertfrei zu beschäftigen, zu kleiden und aufwachsen zu lassen.

Was habe ich nicht alles versucht?

  • neutrales Spielzeug ohne Glitzerbribambrorium
  • keine Klamotte, die aussah als würde sie aus der Lila Hello Kitty Horrorfabrik entsprungen sein
  • neutrale Farben beim Kinderwagen, dem Kindersitz (ja, auch diese gibt es in der rosapinken Hassversion), der Babyschale
  • weiß/beige Wäsche soweit das Auge reichte
  • keine bescheuerten Herz/Blumen/Bienen Motive

Nun ist das Kindlein in nicht mal einem Monat vier Jahre alt. Und meine Zeit des Einflusses neigt sich dem Ende. Wo immer ich kann, mag ich gerne mein mütterliches Veto einlegen. Ganz besonders wenn sie mir im Laden irgendein besonders scheußliches Teil freudestrahlend entgegen hält. Ich halte mich sehr zurück mit Kritik, immerhin will ich weder ihren Geschmack noch ihre Wünsche als Nichtigkeiten abtun. Aber eigentlich kennt das ja jeder: man kann gewisse Dinge in gewisse Bahnen lenken. Zumindest teilweise. Kompromisse sind sowieso gut. Und so entscheiden wir oft zusammen und das Kindlein darf sich beispielsweise am Ende noch irgendwas (in meinen Augen schlimmes) buntes Etwas aussuchen. Oft shoppe ich auch ohne Kindlein. Das Ende der Geschichte ist das weltschönste rote Kleid, welches kontinuierlich verschmäht wird. Nicht ein einziges Mal hatte sie es an… einfach weil sie es nicht mag.

Wenn schon Röckchen und Co, dann wenigstens nicht aus der Glitzerhölle!

Wir werden da ja eh irgendwie reingequetscht.. Überall wird unterschieden. Spielzeug für Jungen. Shirts für Mädchen. Schuhe für Jungen, Hüte für Mädchen. Wo sind die Sachen für Kinder? Ja wo nur? Gibt es denn tatsächlich nur pink und blau? Was ist aus all dem rot, grün und gelb geworden? Aber ich will das Pferd nicht von hinten aufzäumen und wieder in der Ursuppe rum stochern. Das soll auch kein Aufruf werden. Es ist lediglich ein kleiner Tatsachenbestand. Es macht mir Angst, wie sehr unsere Kinder durch all die Umwelt geprägt werden. Diese Prägung ist derart heftig, dass ich nicht weiß, ob sie auch ohne all das so denken würde. Ich wünschte, ich könnte ihre persönliche Meinung ohne Einfluss einfangen. Aber das ist ja quasi unmöglich, es sei denn das Kind hat sein Leben lang ohne Zugang zur Konsumgesellschaft gelebt. Gibt es ja, nur eben hier grad nicht so recht umsetzbar. Und das Thema geht ja weit über Kleidung und Spielzeug hinaus. Neulich fragte das Kindlein folgendes:

„Papa, können Mädchen auch Fussball spielen?“

Tja.. da stehste erst mal da und guckst blöd. Gleichzeitig versucht dein Hirn so etwas wie sinnvolle Sätze zu formen, die dich und hoffentlich auch dein Kind zufrieden stellen. Im Grunde bejahst du natürlich, hinterfragst aber anschließend dieses bereits so vorgeprägte Wissen deines eigenen Kindes. Wie sehr ich doch wünschte, sie würde immer davon ausgehen als Mädchen alles zu können (das Gleiche gilt für Jungs). Natürlich sage ich ihr, dass sie alles das sein kann was sie möchte. Trotzdem fand ich diese Frage schon sehr interessant.

Für mehr gelb und grün in unserem Leben!

Ein weiteres Beispiel: Schuhe kaufen. Kind braucht neue Crocs. Ich finde endlich die passende Größe, ziehe sie dem Kind an, Kind läuft sehr gut damit. Will zur Kasse, hält sie mich auf einmal fest und sagt „Mama, ich will die gar nicht!“ Ich so „Watt?! Wieso?!“ Kindlein ganz kleinlaut: „Na die gefallen mir gar nicht.“ Ich wiederhole mich: „Wieso?“ Und dann sagt Kindlein diesen einen Satz: „Na die sind blau Mama!“ und ich seufze. Und weiß nicht ob ich weinen oder lachen soll. Ich entscheide mich letztlich für erneutes Nachfragen, welches das Kindlein mit eifrigem Nicken bejaht. Gut. Dann sei es so. Es ist ihr Geschmack und den muss ich akzeptieren. Nur wie oben schon beschrieben: ich wüsste zu gern wie dieser ohne die Umwelt und das Prägende in dieser aussehen würde. Wie meinte eine Freundin von mir mal? „Du kannst es nicht aufhalten!“ Hatte sie recht? Ich glaube seit das Kindlein ungefähr so zwei 1/2 ist, zeigt sie ernsthaftes Interesse an speziellen Dingen. Heute ist das Ganze weitaus ausgereifter. Sie weiß genau was sie will und was nicht. Nur sind das eben genau die Sachen, die man auch von einem Mädchen erwartet. Sie mag alles in lila pink und rosa, garniert mit Glitzerstaub und Pailletten soweit das Auge reicht. Ja, ich habe keine Räubertochter, die auf Bäume klettert und mit zerschlissenen Jeans nach Hause kommt. Mein Kindlein dreht sich lieber den ganzen Tag in einem Tüllrock.

Auch heute shoppe ich noch gern neutral. Trotz all den innigen Wünschen des Kindleins. Warum? Tja, einfach weil ich ja das Kind beinahe den ganzen Tag anschauen darf und mögen möchte, was ich da sehe. Viele finden das oberflächlich, sei es drum. Hinzu kommt natürlich immer auch der Gedanke an Nummer 2. Auch wenn ich wahnsinnig gern noch einmal ein Mädchen haben möchte, so ist ja der Fall eines kleinen Buben nicht ausgeschlossen. Tja, da lobe ich mir die rote Variante vom Bobbycar (Gibt es auch in der Horror-Hello-Kitty-Variante) und das eigens!!!! vom Kindlein ausgewählte blaue Laufrad von Puky! Mit Kleidung ist es da schon schwieriger. Wo ist da das neutrale shoppen überhaupt noch möglich? Eigentlich nur in der Abteilung für das männliche Geschlecht. Dort findet man noch viel blau und grün und mit viel Glück mal orange oder gelb. Bei Schuhen ist das ähnlich: auch hier gilt: braun, blau, grün. Schuhe in rot haben oft schon wieder eine sehr mädchenhafte Applikation mit drauf. Überhaupt regt mich dieses Applikationsthema auf. Es geht ja heute scheinbar nicht mehr ohne. Das fängt bei den Bodys an: entweder eine Blume, eine Schnecke, ein Schmetterling… für die Jungs sind es dann wahlweise Bagger oder sonst irgendetwas, was an das Thema „Bauen“ erinnert. Ich finde das einfach nur schade.

Geht man einkaufen, so steht man ja auch immer am Scheideweg: recht die Mädchen, links die Jungen. Und das betrifft den stationären Einzelhandel, wie auch das von mir geliebte Online-Shopping. Online ist es ja ähnlich: „Kleidung für Mädchen“ oder „Spielzeug für Jungen“ liest man doch an jeder Ecke. Da lobe ich mir einige wenige Shops, bei denen man auf Kindermode klickt und erst mal eine große Übersicht aller Dinge hat. Aber das sind und bleiben Ausnahmen.

Wie ihr oben seht, trägt das Kindlein zum Beispiel auch einen gelben Fahrradhelm mit Marienkäfern… kann ja auch ein Bub tragen. Wieso nicht mehr Neutralität, weshalb die Kinder von vorn herein in Muster und Schubladen quatschen? Warum nur? Ich weiß schon.. Industrie, Geld, Kulturen. Und so schwimmt man vermutlich automatisch mit dem Strom. Denn eines ist mal klar: auch hier zu Hause gibt es mittlerweile ganz viel rosa pink und auch die Lieblingsfarbe des Kindes: lila. Mit den hier gezeigten Bildern will ich aber auch zeigen: es geht anders! Es muss nicht immer die in rosa Watte gepackte Püppi sein oder der zerzauste im rehbraunen Pulli umher raufende Junge. Es sind Kinder! Und so weit wie es geht, versuche ich mich diesem Gender-Terror etwas zu entziehen. Bis der nächste Aufschrei durch die sozialen Netzwerke geht weil irgendein Chips-Hersteller was für Mädchen gemacht hat.. was ja wirklich sehr bescheuert ist. Also ihr Lieben: macht doch was ihr wollt, Hauptsache es macht Euch und den Kindern Spaß.

Schreiberliese… manchmal packt es mich!

Wenn das Leben etwas Spielraum gibt… dann, ja dann schreibe ich. Ich schreibe am Blog, aber auch an anderen kleinen und großen Geschichten. Und weil ich hier nicht ausschließlich über das Kindlein schreiben mag, möchte ich heute ein paar Worte hinaus lassen. Ich hatte die letzten Tage und Wochen immer mal wieder etwas Zeit, meine Finger über die Tasten huschen zu lassen. Ganz besonders habe ich mich dabei meinem größeren Projekt gewidmet. Einer Geschichte die ich schon beinahe Jahre fest im Kopf habe – mir fehlt nur die Zeit sie komplett aufzuschreiben. Hier nun ein kleiner Ausschnitt, einfach weil ich so gern schreibe.

***

Ein Schrei. Dunkle Wolken. Schwarz. Leere. Ein zweiter Schrei. Regen und Blitze. Ein Hämmern, Schläge gegen die Wand. Verworrener Nebel. Gebrüll und anschließend berührende Stille. Fingertippen auf trockenem Holz. Das Knistern von Feuer. Ein dritter Schrei. Flaches Nass und kleine Wasserfälle. Kochendes Salz. Lautes Wetter überall.

Ich schrecke hoch und sitze senkrecht im Bett. Nur ein Traum, nur ein böser Traum! Ich schaue zu ihm. Er windet sich kurz und scheint dann wieder tief und fest zu schlafen. „Gott“ flüstere ich und streiche mir die feuchten Haare aus dem Gesicht. Kleine Schweißperlen stehen auf meiner Stirn, Anspannung legt sich auf meine Schultern und presst diese fest hinab. Ich drücke meinen Rücken fest nach hinten und setze mich anschließend wieder kerzengerade hin als neben mir ein ohrenbetäubender Schrei ertönt. Er jagt direkt in mein Innerstes und lässt mich einen halben Meter der Bettkante gefährlich nahe zur Seite weichen. Seine Stimme verebbt. Kein Ton mehr. Dafür übernimmt sein Körper die Kommunikation. Ein stechender Schmerz liegt auf seinem Gesicht und tanzt mit seinen Muskeln. Es sind wilde Bewegungen. Bewegungen, die seine Lippen öffnen, seine Augen aufzucken lassen. Ich blicke in so viel Furcht und Qual. Seine Hand schlägt blitzschnell auf die Matratze ein. Fingerspitze um Fingerspitze drückt sich fest in das darüber gespannte Laken. Sein Arm hängt in der Luft, seine Muskeln beben unter der Anspannung und gehen in ein leichtes Zittern über. Er wirft seinen Kopf von rechts nach links und zurück. „Nein, nein!“ hauchend fliegen die Worte aus ihm. „NEIN!“ brüllt er plötzlich und lässt ein Schreien ertönen. „Was ist dir nur passiert?“ flüstere ich in die dunkle Nacht und fühle mich ohnmächtig angesichts des offensichtlichen Leidens.

Meine Hand legt sich vorsichtig um sein Gesicht, weich über die tiefen Falten, welche sich durch die Anspannung fest in seine Haut legen. Wieder wirft er seinen Körper um und schlägt meinen Arm abrupt weg. Schmerz durchfährt mich und die getroffene Stelle. Es tut weh, sehr weh, der Aufprall war fest und gezielt. Ich greife mit meiner freien Hand an die Verletzung und beiße mir auf die Lippe. Der Arm beginnt zu Pochen. Schnell, heftig. Der Schmerz wird schlimmer und mir schießen kleine Tränen in die Augen. Ich versuche zu Pusten und lache mich aus für diesen lächerlichen Versuch der Schmerzlinderung. „Daniel!“ rufe ich, doch er windet sich nur weiter unter seiner dünnen Decke. Mein Arm beginnt zu hämmern und ich erkenne bereits eine deutliche Rötung. Scheiße! „DANIEL!“ nun bin ich es, die schreit. „Wach auf verdammt!“ die Tränen beginnen hinaus zu fallen, tief stürzen sie sich auf meine Wangen. Hilflosigkeit kriecht tiefer in mich hinein, alle Tore sind ihr geöffnet. Heulend hocke ich auf dem Bett und halte meinen Arm, der scheinbar beginnt auf seine doppelte Größe anzuschwellen. Er wirft sich noch einmal herum, krümmt sich schrecklich, presst die Zähne hörbar aufeinander. „Bitte..“ weine ich leise und greife nach seiner Hand, presse seine Finger fest gegen meine Haut. „Bitte“ wiederhole ich, schließe die Augen und halte seine Hand gegen mein pochendes Herz. Kummer schwängert den Raum. Mein Kopf fällt gegen das Kopfteil des Bettes.

***

Die große Sehnsucht

Ich weiß gar nicht wie oft ich dieses Thema schon angeschnitten habe… auf jeden Fall mehr als einmal. In den letzten Tagen, Wochen und Monaten ist sie wieder besonders stark – die Sehnsucht.

Diese tiefe, tiefe alles verschlingende Sehnsucht nach einem weiteren Kind.

Kennt ihr das? Wenn man sich als Familie noch nicht komplett fühlt? So geht es mir und meinem Mann. Glaubt man dem Kindlein, so geht es ihr ebenso. Auf die Frage, ob sie sich eine Schwester oder einen Bruder wünscht, antwortet sie „Ein Baby.“ Diese Einstellung lässt unser Herz natürlich höher schlagen. Sehr viel höher.

sehnsucht

Nun schleicht sich diese Sehnsucht ja immer mal wieder, mal mehr mal weniger ein. Aber in letzter Zeit.. ich weiß auch nicht.. da ist sie doch sehr präsent. Liegt es daran, dass um uns herum viele Kinder Geschwister bekommen? Oder ich gefühlt nur noch schwangere Frauen wahrnehme? Die ganze Welt scheint schwanger – so kommt es mir manchmal vor.

Und bei uns so?

Wir wünschen uns sehnlichst noch weitere Kinder. Ja, KindER. Wie meinte mein Mann neulich? „Schatz, dann wird es aber Zeit für Nummer zwei… oder drei oder vier?“ Dazu setzte er ein strahlendes Lächeln auf. In solchen Momenten weiß ich einmal mehr: ich habe den richtigen Menschen geheiratet. Meinen besten Freund. Nun ist diese Sehnsucht nach einer kompletten Familie manchmal so schlimm, dass man all seine Pläne am liebsten über den imaginären Haufen werfen würde. Was dumm wäre – sehr dumm.

Ich studiere gerade, verdiene wenig bis nichts und ein weiteres Kind zu diesem Zeitpunkt wäre nicht wirklich schlau. Ich sollte zunächst das Studium beenden und zumindest ein bisschen Berufserfahrung sammeln – was ja gerade im Beruf der Hebamme essentiell ist. Trotzdem bleibt der Wunsch. Und die Sehnsucht. Ein seltsames Gefühl, was da an einem hoch kriecht. Je älter das Kindlein wird, desto mehr pocht es in meinem Kopf: „Nummer zwei!“ Und je mehr verschwimmt dieses Wort „sollte“.. ja klar sollte ich warten, klar sollte ich erst fertig studieren und klar sollte sollte sollte.

Was, wenn ich einfach mache?

Um es mal ganz plump zu sagen? Was wäre die Konsequenz? Das Kind würden wir bekommen, es lieben, uns freuen. Aber der fade Beigeschmack bleibt… wir kommen jetzt schon bezüglich der Organisation an unsere Grenzen. Was, wenn dann da zwei Murkel wären? Finanziell wäre das auch nicht so lustig. Und und und… Und so bleibt die Sehnsucht eben erst einmal die Sehnsucht. Je näher das Ende des Studiums rückt, umso eher können wir uns all diese Entbehrungen aber vorstellen. Nicht zuletzt weil bei einem Wiedereinstieg das letzte Stückchen Weg nicht mehr so weit wäre.

Noch traue ich mich aber nicht.

Noch trauen wir uns nicht. Und so schmachte ich weiter Babybäuche und kleine schnuckelige Babies an. Wer glaubt, Arbeiten auf der Wochenbettstation könne die Sehnsucht stillen.. der irrt. Es wird eher schlimmer. Jedes kleine Kind ist auf seine Art und Weise magisch. Egal mit welchem Neugeborenen ich arbeite, es ist und bleibt immer ein Zauber… ein Zauber, der die Sehnsucht wachsen und gedeihen lässt. Als nächstes bin ich erst einmal im Kreißsaal eingeteilt. Ob es dann besser wird? Wenn ich all den Schmerz und die Verzweiflung erlebe? Wohl nicht.. denn aus Erfahrung kann ich sagen: es gibt so viel mehr in diesen Räumen als Schmerz und Tränen. Es gibt so viel Liebe, Zuversicht, Hoffnung, Wärme und Geborgenheit. Menschen die zu Familien werden, perfekte kleine Tränenmomente, Glücksgefühle und Seligkeit.

Während ich das schreibe, verspüre ich dieses Gefühl wieder ganz klar und deutlich. Es ist quasi allgegenwärtig. In mir. In uns. In unserer Familie. Dieses Gefühl, dass jemand fehlt. Ob es nach dem zweiten Kind vollkommen wird? Erfüllt wird? Kann es das jemals? Fragen über Fragen. Fakt ist: Sehnsüchte möchten gestillt und befriedigt werden. Und zu wissen, dass das erst einmal nicht geht.. das tut irgendwie weh. Und macht benommen. Ein wenig zumindest. Und ich denke mir: die Welt hat andere Probleme. Aber dennoch ist das meine ganz persönliche Sehnsucht. Und sie ist nun mal da, so wie sie ist. Und ich, wir, die Familie muss damit umgehen, Lösungen und Wege finden. Und eines Tages wird dieser ganz besondere Wunsch hoffentlich erfüllt. Und eines ist sicher: dieses neue Leben ist schon jetzt geliebt, gewünscht und Willkommen!

Geschichten aus dem Leben gerissen

Melancholie

Es gibt so Tage. Tage, an denen man glücklich ist. Weil alles so ist wie es ist. Glücklich, weil man Dinge hört und sieht… von denen man denkt: hoffentlich passieren sie uns nicht! Niemals! Bloß nicht wir. Bloß nicht die eigene Familie. Bloß nicht das eigene Kind, bloß nicht der eigene Partner, der Ehemann, die Mutter, die Schwester, der Vater.

Ich habe das neulich erlebt. Einer jungen Familie wurde der Vater entrissen. Eine vermeintlich einfache Krankheit führte dazu, dass ein kerngesunder Mann einfach so starb. Kurz vor Weihnachten. Er hinterlässt zwei kleine Kinder im Alter von 4 Jahren und 6 Monaten. Und eine Frau, eine Mutter.

Ich kannte weder die Familie, noch seine Kinder. Ich kannte nur ihn und hatte im Studium das ein oder andere Mal mit ihm zu tun. Als ich zurück an die Hochschule kam und Grabkerzen mit einem Bild von ihm vorfand, stockte mir zunächst der Atem. Es ist so schwer auszuhalten, wenn Menschen, die man kennt, plötzlich weg sind. Nicht mehr da. Einfach aus dem Leben genommen, entrissen. Als ich dann erfuhr was passiert war und dass er eine kleine Familie hinterlässt, war ich den Tränen nahe.

Es nahm mich schrecklich mit. Gänsehaut überzog meinen Körper und ich wusste gar nicht wohin mit dieser seltsamen Art von Trauer für einen Menschen, den ich vielleicht drei bis fünfmal gesehen hatte. Und dann dachte ich an mich, an meine Familie, an meinen Mann und unser zauberhaftes Mädchen. Ich verglich automatisch, dachte daran, was passieren würde wenn das unserem Papa zustoßen würde. Und das Kindlein Abends verzweifelt nach ihrem Papi schreien würde. Es brach mir das Herz und mein Mitgefühl war und ist so groß wie der Mond.

Ich kam einem Spendenaufruf nach und schrieb die Frau an. Bot Hilfe an. Egal wie. Ich wollte helfen. Irgendetwas tun. Der Gedanke „das hätten auch wir sein können“ fraß mich regelrecht auf. Ich habe so eine Angst, dass unser Leben auseinander brechen kann. Einfach so. Durch so einen banalen Mist. Durch einen Unfall. Durch was auch immer. Durch Krankheiten, schwere Krankheiten. Wir wissen es nicht. Ich weiß noch.. an dem Tag, an dem ich es erfuhr… schloss ich unser Mädchen ganz furchtbar fest in die Arme.

Die Angst geht davon nicht weg. Die Angst, doch jemanden zu verlieren, der einem noch viel näher ist. Wie heftig müssen dann die Gefühle sein? Wie viel hält ein Körper aus? Was verkraftet er?

Letztes Jahr hatte ich noch ein zweites Erlebnis dieser Art. Eine ehemalige Arbeitskollegin starb nur wenige Wochen nach einer Krebsdiagnose. Auch sie hinterlässt zwei wirklich kleine Kinder und einen Ehemann. Auch dieses Ereignis nahm mich sehr mit. Als ich durch Zufall davon erfuhr, dachte ich erst, es sei ein Scherz. Ein böser Scherz. Ein sehr sehr böser Scherz. Aber es war, wie es war. Auch hier hatte ich nur sporadisch mit ihr zu tun.. trotzdem wurde ich förmlich von Trauer geschwemmt. Ich musste tagelang mit den Tränen kämpfen, so schwer war die Situation für mich auszuhalten.

Ich bin ehrlich: früher hätte mich das wohl nicht so sehr mitgenommen. Natürlich hätte ich es trotzdem schrecklich gefunden. Keine Frage. Aber mit Kind ändert sich einfach alles. Um 180 Grad. Alles ist anders. Man lernt dieses kleine Wesen kennen und lieben, weiß um seine Vorlieben und vor allem um die Liebe. Die Liebe zu den Eltern. Beiderseits. Geben und Nehmen. Der Gedanke, dass dieses kleine Zwerglein plötzlich einen der beiden Felse nicht mehr in der Brandung hat. Das ein Mensch plötzlich weg ist. Verschwindet. Für immer. Manchmal kann ich den Gedanken gar nicht ertragen und muss mich ablenken.

Und dann hilft oft nur eines: glücklich sein. Den Tag genießen. Alles nicht so schwer sehen und den Moment nehmen. So wie er ist. In diesem Sinne: habt alle einen schönen Tag!

Die Verzweiflung über die Welt

Zerrissenheit

Mein kleines zauberhaftes Mädchen.

Ich weiß, die Welt ist so ungerecht. Dies müssen wir momentan durch deine großen Kulleraugen miterleben. Nicht täglich, aber etwa einmal pro Woche zeigst du uns deutlich, was Du von diesem Planeten und seinen Regeln hältst. Heute morgen bist du schier daran verzweifelt, dass dein Schlafanzug nur bis zum Bauchnabel aufzuknöpfen ging. Danach gab es keinerlei Knöpfe mehr, nicht mal mehr eine Naht die ich hätte aufreißen können. Du hast das alles nicht verstanden und gerissen und gezupft… vor allem aber hast du eines: geweint. Und geweint und geweint. Geschluchzt und gewütet. Du warst so erschüttert über diesen Fakt und wir standen hilflos daneben. „Aufmachen“ hast du immer mal wieder mit tränenerstickter Stimme gebrabbelt, aber es ging halt nicht.

Und so standen wir daneben, wollten dich halten, dir helfen, dich beruhigen. Aber du wolltest nicht. Hast Dich weg gedreht, nur um noch schlimmer zu weinen. Irgendwann bist du dann doch zu deinem Papa und hast gefragt „Kannst du mir helfen Papa?“ als dein Papa dann den Schlafanzug ausziehen wollte bist du wieder zurück in deine „alles- ist-so-doof-und-unfair-Welt“. Denn selbst dein Papa schaffte es nicht noch ein paar zusätzliche Knöpfe hinzuzaubern. Er wollte dir einfach nur mit deinen kleinen Ärmchen aus dem Anzug helfen. Wieder waren wir am selben Punkt. Und du noch mehr verzweifelt als zuvor. Mittlerweile wurdest du von Weinkrämpfen geschüttelt. Wir saßen weiterhin stumm daneben und warteten darauf bis Du entscheidest wann du soweit bist und Hilfe annehmen möchtest. Du kleines armes Zauberkind.

Du kannst nicht ahnen, was momentan los ist. In der Welt.

Auf unserer Erde. Kriege, Hunger, Elend. Doch woher sollst du auch ahnen das deine kleinen Probleme Nichtigkeiten für uns ganz große Menschen sind? Gar nicht – und das wissen wir. Also versuchen wir dich und deine Zerrissenheit ernst zu nehmen – auch wenn es manchmal schwer fällt. Wir sind ganz erstaunt darüber, wie dich so scheinbar klitzekleine Dinge aus dem Takt bringen können. Das du sooo verzweifelt bist, über dich, über das, was du scheinbar noch nicht allein schaffst und kannst. Es tut uns so leid, dich so zu sehen. Das es Dinge gibt, die selbst wir nicht für dich lösen können oder die du auch gar nicht durch uns gelöst wissen willst. Wir fühlen uns ganz hilflos und versuchen einfach, dir zu helfen und Trost zu spenden. So ein Schlafanzug kann halt auch einfach doof sein. Manchmal ist es auch der Reißverschluss der Jacke oder die Schnürsenkel der Schuhe, die du unbedingt schon allein zubinden möchtest.

An dieser Stelle sei angemerkt mein Zaubermädchen: Mama kauft vorerst keine Schuhe mehr mit Schnürsenkeln. Nicht noch einmal kann ich mit ansehen, wie du die „Hasenohren“ formen und verknoten willst. Nicht das du es falsch verstehst mein Mädchen. Wir sind nicht böse. Du schreist nicht, du schlägst nicht. Du bist eigentlich ganz ruhig – abgesehen von deinen Weinkrämpfen. Du wütest auch nicht von Punkt A nach Punkt B. Du knallst keine Türen und wirfst uns keinerlei Beschimpfungen an den Kopf. Du bist einfach nur außer Dir, gefangen in deiner kleinen Welt, in der Du noch nicht all die Dinge tun kannst, die du doch schon allein machen möchtest.

Dabei reflektierst du so herzerwärmend. „Wenn ich groß bin, dann kann ich das!“ Ja mein Schatz. „Ich muss noch ein bisschen wachsen!“. Ja meine Lieblingsmaus. Bald schon wirst du auch all diese Dinge lernen und beherrschen. Bald bist du so groß… und andere Dinge werden dich nerven. Dann sind es vielleicht nicht mehr die Schnürsenkel, aber die Matheaufgabe. Ich kann es kaum erwarten!

Wie ich mein erstes „Kind“ verlor.

Vermissen

Heute wird es emotional. Zumindest für mich. Denn ich schreibe über den Verlust eines Familienmitgliedes. Es musste an dem Tag gehen, an dem ich mit unserem Zaubermädchen nach Hause kam. Unfreiwillig und so schonungslos, dass ich an dieser Stelle schon wieder in Tränen ausbrechen mag.

Bevor ich auch nur ansatzweise an das Kindlein dachte, war ich Mama eines Hundekindes. Er wurde in meinem damaligen Kinderzimmer von der Hündin meiner Eltern geboren und wuchs wohl behütet auf dem Dorf auf. Er war ein verrücktes, heiß und innig geliebtes Fellknäuel. Eine kleine Fußhupe und zuckersüß. Die Welpenzeit verstrich, er wurde größer, rübelhafter, verrückter. Ein kleines verwöhntes Etwas wartete auf mich, wenn ich in den Semesterferien nach Hause fuhr. Dieser Hund war mein Baby, mein Ein und Alles.

Nach dem Studium ging ich wieder zurück in mein Elternhaus und begann mit einem Praktikum in einer großen Stadt. Wuff war an meiner Seite. Auch als meine langjährige Beziehung in die Brüche ging und ich dachte, alles in meinem Leben verloren zu haben. Doch dann war da ein Mann – mein zukünftiger Mann und alles schien gut. Unser Hund – wie ich mittlerweile sagte – entwickelte im Laufe der Zeit viele schwierige Eigenheiten. Andere Tiere wurden pauschal angegangen, spazieren gehen glich einem Spießroutenlauf bis man endlich im ungestörten Wald war. Sah er ein Tier jeder Art, stürzte er sich wie ein Verrückter drauf. Ohne Erbarmen. Keine Chance für uns. Kein Rufen, keine Aktion konnte ihn abhalten. Schon in der Welpenschule zeigte er Tendenzen in diese Richtung – nie im Leben hätten wir an das gedacht, was dann auf uns zukam.

Hinzu kam ein Hautproblem. Er kratzte sich an seinem Maul, teilweise sogar am ganzen Körper. Jahrelang gingen wir bei Ärzten ein und aus, bis wir irgendwann ein Medikament fanden, was ihm halbwegs half. Mit der Hündin meiner Eltern – die ja seine Mutter war – kam es immer öfter zu schweren Reibereien. Er ging auch sie an – teilweise mit blutigem Ausgang. Wir trennten die beiden immer öfter. Fuhren wir in den Urlaub, ging mein kleiner Wuffmann in eine Pension, die uns aber nach einigen Aufenthalten die Betreuung kündigte, da der Hund auch dort außer Rand und Band war.

Parallel suchten wir bereits Hilfe bei den ersten Hundetrainern. Wir gingen jedes Wochenende zum Training. Die Diagnose hieß nur: sie sind nicht der Chef, er macht was er will – ändern sie das. Doch das Training brachte keinen Erfolg. Wir verfolgten einen sanfteren Ansatz in einer anderen Hundeschule, doch auch hier gaben wir nach vielen Monaten auf, da sich nichts änderte. Ich hatte das Gefühl versagt zu haben… und große Angst vor der Zukunft. Wir wussten: wir wollen Nachwuchs. Nur wie soll das mit einem Hund gehen, der scheinbar so aggressiv ist? Wir wussten zwar wie wir ihn zu nehmen hatten – aber eben nur wir. Andere Menschen hatten es da schon schwerer. Wie sollte das erst mit einem Kind werden?

Als er mich dann aus einer scheinbar sinnlosen Situation heraus in die Schläfe biss (ganz knapp am Auge vorbei), lief das Fass über. Die Narbe ziert bis heute mein Gesicht und ich konnte und wollte so nicht weiter machen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt nicht das Gefühl dem Hund gerecht zu werden. Und auch wenn mein Mann ihn mit ins Büro nahm, so hatten wir ständig das Gefühl, dass er zu kurz kommt. Also überlegten wir, jemanden zu suchen, der mehr Zeit mit ihm verbringen kann. Zunächst dachten wir an einen Hundekindergarten. Bei einem Telefonat wurde aber schnell klar, dass es bei seiner Verfassung niemals zu einer Betreuung kommen wird. Er war ja quasi sozial inkompatibel. Also dachten wir an neue Besitzer, schalteten eine Anzeige und führten einige Telefonate. Doch auch da stellte sich schnell heraus, dass niemand einen derart verhaltensauffälligen Hund haben möchte.

Mir zerriss es während dieser Zeit mehr als einmal das Herz. Ständig hatte ich Angst er könne seiner Umgebung etwas antun. Wir wagten noch einen letzten Versuch mit einer Schule. Die letzte Hundeschule war eine ganz gute Kombination aus den beiden zuvor und wir erzielten ganz ganz langsam erste Erfolge. Sie waren klein und nicht wirklich ausbaufähig. Aber immerhin konnte man wieder recht unbeschwert spazieren gehen. Die Hundetrainerin machte uns aber auch schnell klar, dass Kinder und der Hund eher zu trennen sind, eine Aufsicht selbstverständlich unausweichlich sei.

Dann wurde ich schwanger. Und im Nachinein muss ich sagen, dass ich meine Schwangerschaft nicht wirklich unbeschwert genießen konnte. Abgesehen von all den Problemen mit mir selbst, schwebte das Damokles Schwert Hund täglich über mir. Da ich ab dem 5. Monat zu Hause war, verbrachten der Schnuffi und ich einen herrlichen Winter und Frühling zusammen. Wir waren ganz viel draußen, spazieren und tollten herum. Im Sommer – kurz vor der Geburt des Kindleins – hatte ich dann noch eine Freundin mit Baby zu Besuch. Auch sie hatte zwei Hunde und es klappte super. Unser Hund reagierte neugierig, war anschließend aber recht schnell gelangweilt vom Kind. Das ermutigte meinen Mann und mich. Doch es sollte anders kommen.

Schon Monate vor der Geburt gewöhnten wir unseren Hundemann an den Kinderwagen und das Laufgitter. Die Sachen standen schon lang zuvor aufgebaut im Haus. Es entstanden etliche Bilder, auf denen er an meinem Bauch schnuppert und es fällt mir bis heute sehr schwer, diese anzusehen.

Dann, eines Tages… war es soweit: das Kindlein wurde geboren. Der Papa nahm direkt ein Tuch und eine volle Windel aus dem kleinen Krankenhaus mit nach Hause. Schnuffhund schnüffelte, interessierte sich aber nicht weiter. Als ich zwei Tage später mit dem Kindlein in der Babyschale die Auffahrt hinauf fuhr, hatte ich keine Ahnung von dem, was da kommen würde.

Ich stieg aus, Wuff kam mir entgegen und freute sich riesig auf mich – immerhin war ich 3 Tage nicht zu Hause gewesen. Ich lief um das Auto und holte die Babyschale heraus. Zurück im Eingang des Hauses stellte ich sie vorsichtig auf den Boden. Lange stand sie dort nicht. Wir wissen nicht was es war… oder wer… aber ein Schalter wurde umgelegt. Unser Fellknäuel wollte von einer Sekunde zur anderen in die Schale springen. Er quietschte aufgeregt und war mehr als aufgebracht. Wir konnten das ganz schlecht einordnen und haben die Schale erst mal in den Wohnbereich getragen. Da habe ich das Mäuschen dann heraus genommen und dem Mucki erklärt, wer das ist. Doch mit jeder Sekunde veränderte sich der Hund zusehens. Er begann zu schreien, wie ich es zuvor noch von keinem Hund gehört hatte. Außerdem wollte er an mir hoch springen, so dass ich mich immer wieder mit dem Baby auf dem Arm weg drehen musste. Er war nicht mehr länger nur aufgeregt – er wurde richtig aggressiv.

Ich ging in den Garten und dachte: alles wird gut. Doch der Hund rannte wie eine Furie hinter mir her, die Pupillen riesengroß, das Geschrei weiter unerträglich. Er zitterte am ganzen Körper, knurrte und sprang weiterhin an mir hoch. Irgendwann hatte er fast das Bein im Maul und ich bekam es mit der Angst. Er sprang immer höher und höher.. im Nachhinein wäre das Laufgitter zur Sicherung eine Farce gewesen. Irgendwann sprang er so hoch, dass er fast den Kopf erreichte und mit den Zähnen die Mütze vom Kopf der Minimaus riss. Für mich war der Punkt gekommen, an dem ich wusste – das wird nichts.

Ich ging ins Schlafzimmer, setzte mich mit meinem 3 Tage alten Baby aufs Bett und weinte. Der Hund kratzte unterdessen unentwegt an der Tür, schrie, knurrte, bellte und wollte sich weiterhin wie ein Irrer auf das Kind stürzen. Mein Mann setzte sich zu mir und wir weinten stumm nebeneinander her. Wir hatten zuvor zwar viel über das Thema gesprochen.. aber immer zu dieser nun eingetretenden Situation geschwiegen. Nie im Leben hätten wir mit einer solchen Situation gerechnet. An diesem Tag habe ich mein Baby nach Hause getragen und doch ein Familienmitglied verloren. Meinen heiß und innig geliebten Peppi, der zu diesem Zeitpunkt schon fast 7 Jahre an meiner Seite verbracht hatte.

Der Hund ist nun nicht mehr da. Die Tage danach waren schwer. Ich weinte und weinte. Es zerriss mich – pures Glück auf der einen Seite und so viel Trauer auf der anderen. Es hat mich Monate gekostet halbwegs über den Verlust hinweg zu kommen. Das Kindlein hat dabei natürlich viel geholfen. Bis heute hängt unser Fellknäuel ganz groß an der Bilderwand im Eingang. Und da wird er für immer bleiben – genauso wie in unserem Herzen.

Viele mögen mich verurteilen… und sagen: du hättest dieses oder jenes anders machen müssen. Doch wir waren vor der Geburt im Gespräch mit vielen Trainern, haben uns Tips und Anregungen geholt. Wir haben versucht, das Unmögliche möglich zu machen. Jeder, der uns und den Hund kannte, bestärkte uns: ihr habt das einzig Richtige getan.

Irgendwann – da sind mein Mann und ich uns sicher – werden wir einem Fellknäuel wieder ein liebevolles und warmes Zu Hause geben.

Guten Tag, wer sind sie denn? Teil 1

Über den Wandel vom Mensch zur Mama.

Teil 1.

Autos.

auto

Früher. Da war ich eine von der Sorte, die beim Fahren die Musik so laut aufdrehte, dass man einen heran nahenden Rettungswagen erst durch den regelmäßigen Blick in den Rückspiegel wahrnahm. Ich sang lauthals… Rock, Pop, Hip Hop. Lief Klassik, heulte ich schon mal und legte andächtig den Kopf zur Seite.

Meine Hände berührten selten das Lenkrad. Ein Finger reichte doch. Ich hupte, fluchte, hatte regelmäßig einen Puls von 3800. Keiner konnte Auto fahren – außer ich natürlich. Bei gelb fuhr ich schon los, während die anderen auch nach 2 Sekunden noch auf die Farbe grün starrten um sich zu vergewissern, ob sie auch ja los düsen konnten.

Früher…putzte ich mein Auto mit Hingabe. Während meines Studiums hockte ich einmal die Woche an der Waschanlage, saugte, wischte, räumte auch den letzten Krümel aus. Leere Flaschen? Kleiderschrank? Schuhe? Gab es bei mir nicht!

Meine Welt zerbrach, als ich eine Beule in mein eigenes Auto fuhr. Insgeheim schmiedete ich Mordkomplotte gegen die Vollidioten, die beim Aussteigen ihre Tür in mein Auto rammten und damit unschöne Kratzer verursachten. Sie sollten alle in der Hölle schmoren.

Und…für mich stand immer fest: nach dem Studium verdiene ich Geld.. und davon kaufe ich mir das geilste Auto ever. Mit vielen Pferdestärken, das war klar. Ich war schon immer der 200 km/h-Typ auf der Autobahn. Schnelligkeit ist mein Ding, Autos noch mehr. Motorisierte Sachen und ich passen einfach zusammen.

Viele Kilometer und regelmäßiges Fahren gehörte schon immer zu meinem Leben. Während des Studiums pendelte ich mindestens alle zwei Wochen 580km – die einfache Strecke. Dann pendelte ich für den Job und wechselte zwischenzeitlich auch mal in die Öffis. Diese Erfahrung reicher, wollte ich einfach nur mein Auto wieder haben.Und ich bekam es. Und es war herrlich. Wie eine Symbiose. Schon immer.

Dann wurde ich Mutter.

Nun ja. Ich liebe noch immer schnelle, schöne Autos. Große Autos. Versteht mich nicht falsch. Ich bin kein Freund von diesem Tuning-Krams. Aber ich mag Autos einfach. Und ich fahre auch immer noch gerne schnell über die Autobahn.

Aber: aus dem einen Finger am Lenkrad wurden zwei Hände, die die perfekte 10 vor 2 Haltung verinnerlicht haben. Es könnte ja ein Hindernis kommen und wir könnten einen Unfall mit dem Kindlein haben. Dann muss man das Lenkrad schon irgendwie gut in der Hand haben, ne?

Das Auto ist nicht mehr als ein Gebrauchsgegenstand. Wo ich früher wöchentlich das Innen- und Außenleben bonerte, so schaffe ich es mittlerweile vielleicht einmal im Jahr in die Waschanlage. Ausgesaugt wird es nur noch, wenn der gesamte Kindersitz über und über mit Sand besäht ist. Oder wenn das Spielzeug in mitten der komischen Reste nicht mehr zu erkennen ist. Im Kofferraum stapeln sich diverse Dinge: Strandmuschel, Windfang… vor allem aber Sandspielzeug. Für spontane Abstecher zum See, auf den Spielplatz oder wo man das Zeug sonst noch so braucht.

Auf der Rückbank könnte man das Gefühl bekommen in einem Süßwaren- oder Spielzeugladen zu sitzen. In den seitlichen Lüftungsschlitzen hängen alte Lollies, die das Kind nur halbherzig abgelutscht hat. Überall Bücher, Schleich Tiere, Duplo Figuren und was weiß ich nicht. Der Versuch, dem Chaos Einhalt zu gebieten indem man so ein Sortierteil an der Rücklehne festbindet, scheiterte recht schnell. Irgendwie landet der Kram überall, nur nicht in den kleinen Täschchen.

In den Ritzen der Sitzflächen vermehrt sich eine seltsame Mischung aus Schokolade, Krümelkeksen und Salzstangen. Eisreste sind sowieso überall. Papier ebenso. Der Reboarder bräuchte vermutlich eine Reinigung mit einem Kärcher, bevor ich ihn verkaufen könnte. An den Schultergurten kleben undefinierbare Reste, die schon bessere Zeiten gesehen haben.

Außerdem habe ich neues Grundinventar: vom Spielzeug mal ganz abgesehen, gibt es seit dem Kindlein IMMER Feuchttücher im Auto. Taschentücher ebenso. Und wenigstens ein Blinkespielzeug. Neuerdings gibt es einen iPad-Halter. Und gerne zwei oder drei Stunden am Stück Micky Maus Wunderhaus – wenn wir denn eine weite Strecke fahren. Oder dieser blaue, quietschende Hase namens Kikaninchen. Tja. Muss ich erwähnen, dass das Radio eigentlich fast immer aus ist? Und ist es mal an, dann schalte ich neuerdings nicht mehr Radio 1 ein, sondern lande bei Radio Teddy.

Doch nicht genug: Mit Kind hat man ja nun auch immer etwas zu trinken an Board des fahrbaren Untersatzes. Und wer hat schon Zeit das immer weg zu räumen, wenn man das quakende Kind gerade aus dem Sitz hebt und hofft, es würde nach dem Umbetten im Schlafzimmer wieder friedlich davon schlummern? Also liegt die Flasche mit dem Trauben-Holunder-Mix im Auto. Sie wird praller. Und praller. Und von einer Sekunde zur anderen zaubert sie dir einen lila farbenden Sternenhimmel an die hellgraue Decke deines Autos.

Dieser Sternenhimmel hält sich bis heute hartnäckig. Alle Versuche, die wolkige Nacht wiederherzustellen, scheitern. Vermutlich würde es nur noch eine Innenreinigung für 100€ bringen. Aber als Mutter weiß man, dass das Geld verschleudert wäre.

Muss ich erwähnen, dass das Auto mittlerweile 32462856 Kratzer hat? Die sind nicht mal unbedingt vom Kindlein selbst. Vielmehr von der Babyschale, von Spielzeug oder von verzweifelten Versuchen alles husch husch ins Auto zu räumen, während das Kindlein plärrend an einem klebt.

Früher… da saß ich auch händchenhaltend neben meinem Mann – egal ob ich gefahren bin oder nicht. Jetzt tauschen wir nur noch mitleidige Blicke über den Rückspiegel aus und geben uns via Hand Zeichen, ob das Kind schon eingeschlafen ist. Ich habe noch nie so viel auf der Rückbank gesessen, seit ich das Kindlein habe. Das ist schon ein anderer Kosmos – aber ein ziemlich schöner. Mit Glitzer und Liebe und vielen rosa Herzen.

Phase Phase Phase

Bettdecken

Eine Geschichte über abendliche Autofahrten mit Kleinkind.

Beginn:

Ich erinnere mich… vor etlichen Monaten schrieb ich einen Beitrag, der ungefähr den selben Titel hatte. Da ging es – wie so oft im Leben einer Erstlingsmama – um das Thema schlafen. Das Kindlein stillte gefühlt alle 10 Sekunden und ich schlich tagsüber wie ein Zombie durch die Gegend. Diese Phase endetet nach 20 Jahren (Mamagefühl) und viele Falten später lief es eigentlich sehr gut.

Gegenwart: 

Es ist alles wieder nur scheiße. Darf ich das sagen? Ja, verdammt! Denn es ist total blöd… Wir wurden angesprochen. Von den Erzieherinnen. Etwas hatte sich geändert. Das Kind war Vormittags zu nix mehr zu gebrauchen. Wir so: hä? Sozial gefangen in einem Kokon, verkroch sie sich Vormittags in einer Ecke und quengelte im Grunde genommen jede Sekunde, Minute.. Nach dem Mittagsschlaf sei das Kind wie ausgewechselt. Wir wieder so: hä? Ja ja… nachmittags wird gespielt, getanzt, gesungen. Alles froh, alles Eierkuchen.

Wir wühlten also in unseren Gedanken… und es wurde schnell klar: das Kindlein hatte ja auch beschlossen Abends erst so gegen 22.00 Uhr ins Traumland zu fliegen. „Zu wenig Schlaf“ lautete das Urteil der Erzieherinnen. Macht Sinn – dachten wir. Also wurde gedoktert.

Wie?

  • früher ins Bett gehen
  • später ins Bett gehen
  • singen
  • lesen
  • Sandmann gucken
  • schlafend stellen
  • desinteressiert mit dem Handy daneben liegen
  • Kind zum Hinlegen bewegen
  • Wasser, Schnuller, hell, dunkel, Kuscheltier

Wir gaben auf. Fast. Dann dachten wir: ach, packen wir das Kind doch einfach ins Auto und gucken. 10 Minuten später war sie eingeschlafen. Gegen 20.15 kehrte der Mann mit schlafendem Kind zurück in die Einfahrt und wir starteten den ersten Versuch des Umbettens. Funktionierte. Ohne Probleme. Kind war schon auf irgendeiner Wolke umhüllt von Schlafliedern.

Am nächsten Tag gab es die Rückmeldung der Kita: Das Kind war super, ob irgendetwas anders war? Wir so: ja, früher ins Bett. „Ja, dann jetzt bitte immer so.“ Wir so: fuck!

Ihr erkennt: Teufelskreis… zu diesem Zeitpunkt auf dem besten Weg dahin. Ihr vermutet schon richtig: mittlerweile sind wir mittendrin statt nur dabei. Und der Kreis ist verdammt riesig. Grummel.

Aufgegeben wurde nicht. Jeden Abend versuchen wir es erst einmal im Bettchen. Schnell wird jedoch nach dem Papa geweint. Versuche, sich abzuwechseln scheitern, indem das Kind den Abend so in die uuuuuendliche Länge zieht.

Was macht sie da so, während wir warten?

  • singen
  • hampeln
  • klettern
  • Geschichten erzählen
  • „Papa Auto fahrn“ rufen – sehr oft
  • Wasser trinken

Sie tut alles, außer schlafen. Und selbst wenn sie kurz davor ist ihre zuckersüßen Äuglein zu schließen… 5 Sekunden später reißt sie die Lider wieder auf und guckt mich verschmitzt an. Gerne ruft sie dazu lautstark „Alle wach“ nur um anschließend „alle“ deutlicher zu definieren. „Mama wach, Papa wach, Tante wach, Oma wach, Opa wach.“ Never ending. Never never. Sie turnt, kichert, reibt sich ihre übermüdeten Augen. Und tut alles – außer schlafen.

Und so geht das jetzt seit zwei oder drei Wochen. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Und das Auto fahren wurde zur Routine. Ein oder zwei Abende hatte ich es geschafft sie halbwegs im Bettchen in den Schlaf zu bekommen. Mehr war nicht drin.

Woran liegt das nur?

Ist das eine der wohl bekannten Phasen? Was tut sie nur? Was passiert da in ihrem kleinen Köpfchen? Hat sie Angst etwas zu verpassen? Sicher ist: sie ist momentan sehr sehr Papa-Kind. Und der Papa ist den ganzen Tag arbeiten. Ich habe stark das Gefühl, dass sie sich seiner sicher fühlen muss. Und ihn somit ständig abruft, auch schon kurz nachdem wir ins Bettchen gegangen sind. Man spürt dann ihre Verzweiflung während sie schon unter Tränen nach ihrem „Papi Papi“ ruft. Tut im Herzchen weh. Sehr weh. Wie könnten wir ihr etwas verwehren, wenn sie so weint? So ernst?

Jetzt werden einige sagen: ja bist du denn bescheuert? Pack das Kind ins Bett und feddich.

Jaaahaaaa… lustig. Nicht! Denn dann beginnt ein anderer Teufelskreis von vorn: das Kind ist in der Kita zu nix zu gebrauchen und Vormittags nur weinerlich, übermüdet und alles andere als kooperativ oder fröhlich. Und was wollen wir für unser Kindlein? Einen ganz ganz tollen Aufenthalt in der Kita. Was noch zu bemerken ist: in der Zeit, während es in der Kita aufgrund von Schlafmangel so schlecht lief, wollte sie auch nicht gern gehen. War morgens schon ein echter Miesepeter und weinte beim Abgeben.

Nachdem wir sie Abends ins Auto verfrachtet haben läuft sie morgens wieder freudestrahlend in die Kita und Papa muss sich einen Abschiedskuss hart erkämpfen. Merkt man was? Verzwickt! Wir wollen doch nur das Beste…

Und so steigt Tag für Tag die Kilometeranzeige im guten Auto, dass fleißig seinen Dienst abfährt. Papa genießt die Zeit mit seiner Mausi sehr, wie er mir fast reumütig gestand. Ihr seht: wir nehmen es noch mit Humor.

Vor allem ich – die Mama. Ich leide selbst unter starken Problemen beim Einschlafen, brauche oft auch mal einige Stunden zum runter kommen. Und liege und liege und liege. Die Gedanken rattern, fahren viel viel Achterbahn und sind unermüdlich. So ist das. Mein Mann schläft schon während er sagt „bin mü….“. Ist scheinbar so ein Männerding. Keine Ahnung.

Aufgrund meiner eigenen Erfahrung möchte ich ihr die Möglichkeit bieten, sanft in den Schlaf zu gleiten. Ohne Druck, ohne Brüllen, ohne Festhalten oder ähnliches. Über das Schreien lassen brauchen wir hier übrigens gar nicht reden.

Zukunft:

Sollte jemand noch einen ultimativen Tip haben – gerne her damit. Vielleicht sind wir nicht allein? Bis dahin tuen wir es als Phase ab und fahren weiterhin bis zum See und zurück… während unser Mädchen ganz sanft in ihrem Sitz davon schlummert … dieser kleine, zauberhafte Mensch.

Veränderungen… Entscheidungen…

VeränderungIch habe es getan. Ich habe gekündigt.

Ist das zu fassen? Ja… und endlich kann ich auch offen darüber schreiben. Seit beinahe Jahren schlummert in mir ein neuer Berufswunsch, den ich nun endlich wahr werden lasse. Darüber öffentlich zu schreiben ging, verständlicherweise, erst einmal nicht. Aber nun ist alles anders. Und ich wage zu behaupten, dass ich heute die glücklichste Frau der Welt bin. Jawohl! Abgesehen von frischbegackenen Mamas und Frauen, die heiraten.

Was habe ich bisher gemacht?

Ich habe nach dem Abi Medien und Kommunikation studiert, da ich ehrlicherweise keinen Plan hatte, was ich später machen wollte. „Mach ich halt was mit Medien“ war mein Credo. Soweit so gut. Nach 5 Semestern hatte ich den Bachelor in der Tasche und bin über ein Praktikum recht schnell im Online Marketing hängen geblieben. Die Branche ist schnelllebig, schonungslos, sehr gut bezahlt und entwickelt sich rasant. Man kann sich seinen Arbeitgeber praktisch aussuchen, so viele offene Jobs gibt es. Wöchentlich erhielt ich mehrere Anfragen mit neuen Angeboten.. da kann man schon mal Höhenflüge bekommen.

Was ist denn bloß passiert?

Bei meiner ersten und auch zweiten Station fühlte ich mich sehr wohl. Die Kollegen waren der Kracher, ich verdiente gut und hatte – scheinbar – die Zeit meines Lebens. Dann heiratete ich den Herzmann und wechselte erneut in eine andere Firma. Und es änderte sich alles. Der Druck war groß, die Verantwortung noch größer. Die unmittelbaren Kollegen waren… puh… nicht alle so nett. Es gab Neid, Missgunst und Messer, die einem in den Rücken gejagt wurden, während man vorn herum nett angelächelt wurde. Das war aber gar nicht mein eigentliches Problem, denn so etwas gibt es in jedem Beruf.

Andere Menschen, andere Einstellungen.

Was war also das eigentliche Problem? Ich finde das schwer zu beschreiben und muss wohl vorweg sagen, dass ich eher ländlich wohne, aber in der nächst größeren Metropole arbeite. Während ich nach der Arbeit immer so schnell wie möglich nach Hause wollte, um Zeit mit meiner Familie (noch ohne Kind) verbringen wollte, schienen die Kollegen nur eines im Kopf zu haben: Arbeit! Da wurde auch mal bis Mitternacht geackert. Wenn man das nicht tat, war man shoppen, auswärts essen oder in irgendeiner coolen Bar. Familie? Ja, gern, zu Weihnachten. Ich versuchte damit klar zu kommen, spürte aber immer deutlicher wie sehr ich mich von dieser Einstellung unterschied. Das Leben der anderen erschien mir so leer, so oberflächlich, so nichts sagend. Tiefgehende Gespräche konnte man vergessen und oftmals lediglich übers Wetter reden.

Dann wurde ich schwanger.

Der zweite Strich auf dem Test war für mich eine Befreiung. Immerhin konnte ich endlich raus aus diesem ätzenden Arbeitsalltag, aus diesem Büro, weg von diesen leeren Menschen, die weiterhin nur für ihr freies Wochenende oder den nächsten überteuerten Urlaub schufteten. Ich wurde recht schnell arbeitsunfähig geschrieben und durfte so ab dem 5. Monat schon zu Hause bleiben. Worte können nicht ausdrücken, welche Last mir von den Schultern fiel. Ich entschied mich für zwei Jahre Elternzeit und beschloss während dessen mein berufliches Chaos neu zu ordnen.

Kindlein.

Und dann wurde sie geboren. Dieser kleine, perfekte Mensch. Und so schwer das erste Jahr war… umso leichter ist jetzt das zweite. Und man verändert sich. Seine Sichtweise, die Einstellung… die große Stadt und vor allem ein Großteil der Menschen wurde mir noch fremder als zuvor, nicht zuletzt als ich die Kollegen mit Baby besuchte. Ich fühlte mich fehl am Platz und spürte einmal mehr wie sehr ich wünschte, niemals dorthin zurück kehren zu müssen. Die Zeit verging. Der Druck wuchs. Mit jedem Monat der verstrich, nagte sich die Angst mehr und mehr in mich hinein. Eines stand fest: ich wollte nicht zurück.

Was nun?

Wisst ihr was? Als ich klein war, wollte ich immer Medizin studieren. Ärztin werden. Der Plan erschien mir jetzt dann aber doch etwas zu gewagt. Zumal ich eigentlich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen wollte. Nie wieder von 8 bis 8 aus dem Haus sein (oft sogar noch länger), Freizeiten einbauen, wann ich es wollte. Raus aus diesem Büroalltag. Aus einem Job, bei dem man niemals das Gefühl hatte etwas Gutes zu tun, etwas das bewirkt, hilft. Klingt kitschig, ist aber so. Wenn man vor seinem Rechner sitzt, Newsletter verschickt, Werbemittel erstellt oder im 100. sinnbefreiten Meeting der Woche festhängt, hat man nicht gerade das Gefühl anzukommen. Stattdessen fuhr man am Ende des Tages den Rechner herunter und fühlte… nichts. Leere. Und obwohl ich ein Projekt abgeschlossen hatte, fühlte ich mich unfertig. Ich war es leid.

Der Entschluss stand fest.

Als ich meinen Mann vor etlichen Jahren kennen gelernt habe, war seine Schwester gerade im dritten Ausbildungsjahr zur Hebamme. Und irgendwann führte dann eines zum anderen. Auf einmal war es wie ein innerer Drang: ich will Hebamme werden. Mit Haut und Haaren, mit allem Drum und Dran. Parallel bewarb ich mich im ersten Jahr der Elternzeit noch für ein Zweitstudium auf Lehramt, bei dem ich nicht angenommen wurde, da ich mit bereits einem abgeschlossenen Studium so gut wie keine Chance mehr hatte an ein weiteres Studium zu kommen. Und dann verschickte ich die erste Bewerbung für die Ausbildung zur Hebamme. Und bekam eine Einladung an DEM Krankenhaus. Der Bewerbertag bestärkte mich in meinem Vorhaben. Die Mädels waren alle lieb, die Inhalte klangen toll. Nach Wochen die Antwort: Warteliste. Ich hoffte… vergebens. Im Nachhinein, das Beste was uns passieren konnte, da das Kindlein mit den sechs Monaten Eingewöhnung jeden Plan zunichte gemacht hätte.

Bewerbungsmarathon.

Ich gab nicht auf und bewarb mich bei einem weiteren Krankenhaus. Hier begann alles mit einem Einstellungstest für den ich tagelang Mathe übte. Den Test meisterte ich und bekam kurz darauf die Zusage für ein persönliches Gespräch. Da immer zwei Bewerberinnen gleichzeitig vorsprechen mussten, war klar: man musste überzeugen. Das gelang mir nur teilweise, da meine „Gegnerin“ sehr stark war. Das Ergebnis: Warteliste. Ich hoffte erneut.. bangte wochenlang und dachte: dieses Mal muss es einfach klappen. Doch es klappte nicht und einige Wochen nach Ausbildungsbeginn flatterte die Absage ins Haus. Ich resignierte beinahe und wusste doch: eine Chance gibt es noch.

Der letzte Versuch.

Ein Krankenhaus gab es noch.. die letzte Bewerbung wurde verschickt. Dieses Mal handelte es sich sogar um ein Studium in Hebammenkunde.. inklusive Ausbildung an verschiedenen Orten. Auch dieses Mal bekam ich prompt eine Einladung zu einem Gespräch. Parallel schrieb ich den Antrag auf Teilzeit bei meinem Arbeitgeber und vereinbarte ein Wiedereinstiegsgespräch. Dieses Gespräch hatte ich am Tag des Vorstellungsgespräches. Das konnte kein Zufall sein. Showdown! Das Gespräch am Krankenhaus war hart und absolut kein Spaziergang. Meine Hoffnung sank, Panik stieg in mir auf, als ich anschließend durch die Stadt fuhr, um zu meinem alten Job aufzubrechen. Dort heuchelte ich Interesse und fühlte mich so unwohl wie schon lange nicht mehr. Ich fühle mich plötzlich zurück versetzt in mein altes, so leeres Leben. Viele alte Kollegen saßen noch immer ihre 10 Stunden-Schichten dort ab und lächelten mich gequält an. Nein, hier wollte ich nicht zurück. Verschwitzt fuhr ich nach Hause und weinte beinahe als ich das Kindlein und den Papa wieder in die Arme schloss.

Befreiung.

Anfang Juni sollten die Bescheide für das Studium/Ausbildung verschickt werden. Als am 11. Juni immer noch nichts im Briefkasten war hielt ich es nicht länger aus und rief in der Schule an. Eine nette Dame glich mein Geburtsdatum ab, versicherte mir, dass die Briefe eigentlich schon raus wären und sagte mir dann doch mündlich mein Ergebnis: ZUSAGE! Ich zitterte, weinte und sagte der Sekretärin, dass sie mich heute zur glücklichsten Frau der Welt macht. Sie kicherte und freute sich mit mir. Ich stürmte zu meinem Mann, der an diesem Tag Home Office hatte und fiel ihm um den Hals. Ich hüpfte und grinste über beide Ohren. Es war geschafft. Ich hatte es geschafft. Der Druck fiel ab. Und doch dauerte es einige Tage, bis ich es wirklich realisierte. Eine Stunde nach dem Telefonat fiel mir die Zusage dann doch postalisch entgegen. Schwarz auf weiß hielt ich die Bestätigung in den Händen und genehmigte mir erst einmal einen alkoholfreien Sekt.

Und Tschüss.

Wenige Tage später vereinbarte ich erneut einen Termin bei meinem Arbeitgeber. Heute habe ich nun gekündigt und gab auch meine Bestätigung im Krankenhaus ab. Ein neuer Abschnitt beginnt. Einen Wehrmutstropfen gibt es: finanziell wird es wohl nun nicht möglich sein, in absehbarer Zeit ein zweites Kind zu bekommen. Dieses Opfer muss ich bringen. Es ist hart, aber es ist okay. Dafür kann ich endlich das tun, was ich möchte, was ich mir so sehnlichst gewünscht habe. Langfristig werden wir alle von der Entscheidung profitieren. Mir ist durchaus bewusst, dass auch dieser neue Werdegang kein Zuckerschlecken wird. Viel lernen, wenig Zeit für die Familie, kaum Geld. Doch ich bin so klar und vor allem so positiv wie beinahe noch nie in meinem Leben. Ich will es so. Das wurde mir heute nach Abgabe der Kündigung noch deutlicher bewusst. Anschließend fuhr ich mit lauter Musik über eine große Brücke und schaute (hoffentlich) ein letztes Mal auf den großen Bürokomplex. Der Druck ist abgefallen. Der Alptraum hat ein Ende. Ein für allemal. Und in wenigen Jahren heisst es dann hoffentlich: Hebamme Kathi.

In diesem Sinne: Träume sind dafür da, gelebt zu werden… das Leben ist zu kurz… zu kurz um etwas zu machen, was einem nicht das erhoffte Glück bringt. Ich umarme heute die ganze Welt!  

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Ich werde in den kommenden Wochen ganz viel berichten… über Beweggründe, Abläufe, Organisation und und und. Ich spiele sogar mit dem Gedanken, ein Hebammenblog aufzusetzen. Aber: kommt Zeit, kommt Rat.