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November 2017

September 2017 – Rückblick

Der September war 2017 wie eine Hassliebe… warum?… dazu vielleicht später irgendwann mal mehr. Grundsätzlich war er aber ganz schön, nicht zuletzt weil wir mit der ganzen Familie in den Urlaub fuhren und immerhin ein paar Tage entspannen konnten. Ich hatte zudem 4!!! Wochen Urlaub… die ich auch dazu nutzte, so viel Zeit mit dem Kindlein wie möglich zu verbringen. Großes Mädchen! Immerhin steht ja bald das Examen zur Hebamme an und die kommenden Monate werden vor allem eines: anstrengend. Und nun gar nicht viel weiter reden.. September 2017!

URLAUB – HUCH, SCHON WIEDER MALLORCA

Der Plan für 2017 war ganz klar: Sardinien! Wooop wooop… doch der Plan blieb ein Plan, denn: wir hatten keine Lust auf Touribunker und wollten lieber wieder etwas individuelles. Verwöhnt durch die Möglichkeiten auf Mallorca, begann ich mit der Suche nach einem Haus und wurde.. hm.. schnell enttäuscht. Es gab nicht wirklich viele Angebote, die Flugverbindungen waren auch nicht so der Hit und auch sonst verlor ich immer mehr die Lust auf den geplanten Trip. Zum Spaß schaute ich auf der Webseite, auf der wir schon unsere erste Finca buchten… und was soll ich sagen? Es gab soooo tolle Häuser, so bezaubernde Anlagen… Zum Spaß sagten wir noch: „Ihr werdet schon sehen, wenn wir nix finden, dann fahren wir wieder nach Malle.“ Kollektives Augenrollen. Irgendwann wurden unsere Pläne konkreter, die Flüge günstiger.. es passte einfach alles. Und so haben wir es dann einfach gemacht… und nahmen uns vor den Rest der Insel zu erkunden. Und das haben wir auch gemacht. Das Verbloggen der – zum Teil sehr sehr abenteuerlichen – Ausflüge steht dann für die nächsten Wochen und Monate auf dem Programm.

URALUB – VIEL UNTERWEGS

Wie oben beschrieben, hatte ich vier Wochen am Stück Urlaub. Ein Hauch von Erholung. Und da das kommende Jahr besonders anstrengend wird, habe ich die Zeit mit der Minnimaus ganz intensiv verbracht. Klar, wir waren zusammen mit der Family eine Woche so richtig richtig im Urlaub. Aber auch sonst habe ich mir das Kindlein oft geschnappt und wir sind dann hier oder da hin gedüst. Oft nur wir zwei. So waren wir zum Beispiel in einer größeren Stadt und hatten einen sonst völlig überfüllten Spielplatz nur für uns. Enten haben wir da auch gefüttert (nein, nicht mit Brot) und haben noch zwei tolle neue Spielplätze entdeckt, die wir gar nicht kannten.

Außerdem wurde es Ende September Zeit für Kastanien. Die Dinger liegen mittlerweile total verstreut in unserem Garten und der Rasenmäher freut sich schon auf nächstes Jahr – nicht. Meine Bemühungen, die braunen Kugeln einzusammeln, endeten mit erneutem Verstreuen im Gras. Hab es aufgegeben. Ach und auf einem Mittelalterfest waren wir auch noch. War kalt und grau, regnete aber immerhin nicht. Kindlein und eine Freundin hatten entsprechend viel Spaß, wurden geschminkt, haben fleißig getanzt und genascht und fielen am Ende des Tages müde in ihre Betten. So muss das.

U8 PLUS IMPFUNG / Entwicklungsgespräch

Nach unserem Urlaub stand die U8 auf dem Plan… was soll ich sagen? In meinem zukünftigen Berufsstand der Hebamme werden diese U-Untersuchungen ja zum Teil heiß diskutiert. Ob zu Recht oder Unrecht, da will ich gar nicht urteilen. Ich bin jedenfalls ganz froh über diese Untersuchung, was vor allem daran liegt, dass ich grundsätzlich die Kinderärztin mal wieder sprechen kann. Wir sehen sie nämlich sonst kaum, da das Kindlein zumindest die letzten Monate (abgesehen vom Sturz) recht gesund war.

Man schaut sich auch mal wieder den Impfstatus an… das nächste Fass, was ich hier jetzt definitiv nicht öffnen mag. Ich habe schon einmal lang und breit über unsere Einstellung zum Thema Impfen gebloggt.. und diese Einstellung hat sich auch nicht geändert. Wir sind vorsichtig, warten lieber länger, impfen aber. Dieses Mal haben wir uns für die Meningokokken C Impfung entschieden. Das Kindlein hat diese wunderbar vertragen und zeigte keinerlei Nebenwirkungen. Wieder etwas auf der Checkliste abgehakt.

Und sonst so? Jaaa… also sonst war quasi nix zu beanstanden bei der U8. Das Kindlein meisterte alle an sie gestellten Anforderungen… Das wurde uns beim jährlichen Entwicklungsgespräch in der Kita ebenfalls so vor Augen geführt. Der Erzieherin war es sichtlich unangenehm uns zu erzählen, dass sie in vielen Dingen ihrem Alter weit voraus ist. „Ja also beim malen… also da zeichnet sie schon sehr genau.. und da ist sie schon.. ähm… am weitesten.“ Naja.. ist mir eigentlich schnuppe wie weit sie da ist. Ich denke vor allem an die Einschulung 2019 und daran, dass das Kindlein da erst knapp 6 Jahre sein wird. Immerhin wurden meine Sorgen durch die vielen positiven Entwicklungsschritte so ziemlich weg gepustet :).

UND SONST? FAKTEN!

Kindlein pfeift
Jaaaa, unser Mädchen kann tatsächlich pfeifen. Zu Beginn noch etwas zögerlich, dann immer mehr. Sie versuchte es selbst ganz spontan. Und dann plötzlich.. klappte es einfach. Mama ist natürlich mächtig stolz. Das hat auch einen guten Grund: ich selbst kann bis heute ausschließlich nach innen pfeifen, und das auch nicht besonders gut. Nach außen pfeifen – bekomme ich nicht hin. Und nun kann mein Mädchen schon pfeifen. Verrückte Sache.

Kindlein schnaubt
Ist das zu fassen? Mit etwas mehr als vier Jahren kann das Kindlein endlich endlich schnauben. Ja, es ist noch zögerlich und sicherlich nicht mit 100% voller Power. Aber sie holt ganz doll Luft, hält diese inne und drückt alles fleißig durch die Nase nach draußen. Das ist für uns echt ein Meilenstein. All die Infekte, in denen ihre Nase leicht verstopft war.. was stand ich stundenlang mit ihr in der Duschkabine… der Wasserdampf löste immer ganz gut den Schnodder. Und nun ist das Thema endlich durch. Wir freuen uns.

Kindlein wächst
Und wie sie wächst! Wir messen hier jetzt einen Meter und sechs Zentimeter: 106cm!!! Die Füße wachsen auch ganz fleißig nach vorn – allerdings auch nur nach vorn. Sie hat sehr schmale Füße, da ist nichts mit Breite. Das aktuelle Gewicht weiß ich gar nicht, allerdings isst sie in letzter Zeit deutlich mehr. Die Auswahl hat sich nicht verändert, dafür allerdings die Portionsgrößen. Hebe ich das Kindlein hoch, so spürt man deutlich, dass da nun etwas mehr Gewicht ist. Wird Zeit, mal wieder die Waage raus zu holen.

QUASSELMAUS

„Das hat relativ doll weh getan!“

„Warum wissen Eltern immer, dass es schon hell ist?“

„Tante J., weißt du, ich hab Dir noch gar nicht gesagt, dass ich Dich lieb hab‘!“

„Meine Kacka-Wurst hat sich angehört wie ein Fleischklops.“
Humor hat sie.

„Papa, darf ich auch mal alleine in einem Bett schlafen, ohne Euch?“
(Anm. d. Red.: ist nie passiert, hehe)

„Manno, das geht nicht! Dieses Scheiß-Ding!“
Geduld kann sie!

„Mama und Papa, ihr beide seid schon verliebt. Und ihr seid in mich verliebt.“

Papa: „Sollen wir aufstehen?“
Kindlein schüttelt mit dem Kopf: „Es ist so schön im Bett!“

„Ich mache eine Pier-Jurette.“
Es ist so niedlich, wie sie das ausspricht.

Eine Bank, ein Haken, viel Blut und eine Vollnarkose.

Bin unterwegs. Beruflich oder besser noch: der Ausbildung wegen. Fahre mit einer freiberuflichen Hebamme durch die Stadt, darf an Vor- und Nachsorgen teilnehmen. Die Sonne scheint an diesem Tag. Hell und warm. Kann mich an keine weiße Wolke erinnern, die sich am blauen Himmel entlang schiebt. Ein schöner Tag, ein warmer Tag.

Der letzte Termin. Ein Wochenbettbesuch. Ein toller Besuch bei einem tollen Paar. „Noch ein Eis?“ fragt die Hebamme. Überlege lang hin und her. Wäge Kalorien ab und lasse den bevorstehenden Genuss siegen. Entscheide mich entgegen aller Vorhaben für Schokolade mit Minze. Schlecke genüsslich an meiner Kugel Eis und werde durch einen After Eight Geschmack überrascht. Hatte das so nicht erwartet. Süssliche Frische in meinem Mund. Weinende Kinder an der Eisdiele. Wildes Treiben innen und außen. Fachsimpelei zwischen uns beiden. Frauen, die uns grüßen. Sonnenstrahlen auf der Haut, Eis auf der Zunge. Perfekter Abschluss.

Schlendern zum Auto. Der Motor startet. Krame mein Handy aus dem „Ohne Hebamme geht gar nix“ Stoffbeutel. Lasse das Telefon bei Besuchen immer im Auto. Aus allerlei Gründen. Sehe drei Millionen Nachrichten. Lese das Wort „Notaufnahme“. Herz stolpert. Sehe ein Bild. Herz rast. Lese Papas Satz „Lippenpiercing schief gegangen“. Schauriger Humor. Papa eben. Bringe kaum ganze Sätze heraus. Besorgtes Gesicht neben mir. Fahren eilig zu meinem Auto. Versuche den Mann telefonisch zu erreichen. Keine Chance. Schicke mindestens 1000 Nachrichten. Keine Antwort. Herz bleibt fast stehen. Starre wieder auf das Bild. Sehe Blut, eine angerissene Lippe, Kompressionen darauf, einen starren Blick meines Kindleins. Von „Nähen“ ist die Rede. Ich schlucke.

Am Auto. Weiterhin viel Sorge der Hebamme, fragt sich ob ich überhaupt Auto fahren kann. Nicke, verspreche aufzupassen, hechte zum Auto. Bleifuß. Unterwegs immer wieder der Versuch den Mann zu erreichen. Irgendwann sprechen wir. Das Wort Vollnarkose fällt. Tränen in den Augen. Herz hoppelt weiter. Gedanken an alte Greys Anatomy Folgen, in denen die Patienten nicht mehr aufwachen. Erinnerungen an den letzten Einsatz im OP. Keine gute Erinnerungen. Kurz danach steht fest: Operation unter Vollnarkose ist unumgänglich. Wunde zu tief, als das es lokal betäubt werden könnte.

Fahre weiter, verfluche alle anderem Autofahrer. Will zu meinem Mädchen. Obwohl der Mann mir versichert hat: alles gut. Tränen laufen. Passiere endlich die Schranke zum Parkplatz der Kindernotaufnahme. Mann simst mir die Zimmernummer der Station. Renne die Auffahrt hoch, drücke den Knopf des Fahrstuhls 10x. Kann keine Treppe entdecken und bleibe daher gefrustet stehen. Erreiche die Station, erreiche das Zimmer. Endlich. Tür auf.

Sehe mein Mädchen. Kurze Umarmung mit dem Papa. Mädchen in die Arme genommen. Schaut TV, ist abgelenkt. Muss mich arg zusammen reißen. Ihr Shirt ist voll mit Blut, es läuft seitlich am Mund entlang. Ein Schauer auf mir. Erklärung vom Papa. Kindlein stand auf einer Bank, wollte ihren Schlüsselanhänger von einem Holzbrett abnehmen, rutschte ab, hing wie ein Fisch an einem der Haken. Wurde zu schwer, Haken in der Oberlippe, fiel, Haken riss diese durch. Kind war kein Fisch mehr. Bilder im Kopf. Zu viele. Gedanken an das Gefühl, das Geräusch, das Blut. Kindlein war wohl nicht leise nach dem Geschehen, verständlicherweise. Papa blieb nach eigenen Angaben ganz ruhig. Lange Abwägung mit den Erziehern ob ein Krankenwagen gerufen werden muss. Entscheidung dagegen.

Kindlein starrt stumm. Kann nicht reden mit dem Verband. Streichle ihren Kopf. Immer noch so viele Gedanken im Kopf. Schreibe eine Liste mit allem was wir für die Nacht und den nächsten Tag brauchen, schicke den Papa nach Hause. Papa packt Taschen, Mama bleibt beim Kind. Schreibe Nachrichten an die Familien. Alle so besorgt. Bin nach außen ruhig, innerlich nichts außer Sorge um das eigene kleine Kind. Fülle Formulare aus. „Ist ihr Kinder schwanger.“ Lachen oder weinen. Keine Entscheidung. Warten. Warten auf die OP. Sekunden,Minuten und Stunden vergehen. Papa wieder da. Bekommen Kleidung für das Kindlein. Viele bunte Teddybären auf dem Hemd. Lustige Socken oben drauf. Kindlein bekommt einen roten Saft. Beruhigung. Abschuss erster Güte. Und dann. Der Moment.

Wir fahren zum OP. Spät Abends. 21 Uhr oder so.. so langes Warten, so dass das Kindlein halbwegs nüchtern in die Operation starten kann. Kommen an. Alle sehr nett. Großer Fernseher im Aufwachraum. Mindestens 50 Zoll! Der Pfleger schaltet sofort aufs Kinderprogramm. Kindlein beginnt zu lallen und lacht. – da wirkt wohl der rote Saft! Mama beginnt fast zu weinen. Weg mit den Tränen, schnell. Noch nicht, später. Viele Gespräche mit dem Kindlein über den Ablauf. Dann Startschuss. Trennung. Kopf platzt. Beiße in meine Hand. Müssen gehen. Herzrasen, Sorgen, Kummer, Liebe. Tür hinter uns geht zu. Kalter, greller Warteraum. Vorher Umarmung mit dem Papa. Tränen. So viele Tränen. Wimperntusche am Shirt. Angst, Sorge, Wut, Trauer. Angst Angst Angst. Mutter sein ist scheiße. Papa geht zum Snackautomaten. Mein Blutzucker im Keller. Esse Schoki und trinke jede Menge Ungesundes. Warten. Warten. Warten. Drehe meine Runden in dem kleinen Raum, erkunde jede kleine Ecke, wo es nichts zu erkunden gibt. Dunkelheit draußen. Immer wieder Tränen und Angst. Kein Halten mehr. Laufe auf dem Flur auf und ab.

Tür geht auf und die Kinderchirurgin steht vor uns. „Alles gut, Narben bleiben.“ Freude und Trauer zugleich. Postieren uns vor der großen Schleuse. Warten. Dann endlich, Tür auf. Leichtes Winken einer Schwester. Gehen. Schnell. Am Bett. Kindlein an Monitoren, alles piepst. Sie schläft, ihre Wunde ist säuberlich verklebt. Stühle werden gebracht, es ist fast komplett leer in den vielen Operationssälen. Streichle ihren Haaransatz, Küsse überall. Mein starkes Mädchen. „Sie muss einmal aufwachen“ heisst es. Zeit vergeht. Viel Zeit. Kuscheln, reden, kitzeln. Irgendwann offene blaue Augen. Verzerrtes Gesicht. Versuche des Kindleins, sich alle Kabel zu entreißen. Tränen. Auf allen Seiten. Kindlein wird bald ruhiger, das Kinderprogrammschafft minimal Abhilfe. Neben unserem Mädchen liegt ein am Bein operierter Mann – er ist abgeschossen mit dem guten Zeug. Sagt der Schwester, er möchte sie heiraten. Räumt im nächsten Satz ein, wie high er noch ist. Macht Spaß mit dem Kindlein. Schwester reicht der Maus eine Tapferkeitsurkunde. Kindlein ignoriert sie. Nach einer Ewigkeit des Wartens endlich Abholung durch die Schwester. Zurück auf die Station. Ansagen. Kuscheln. Bettfertig. Papa fährt nach Hause. Kindlein schlürft Wasser durch einen Strohhalm. Klagt über Hunger. Trinkt Babybrei durch den gleichen Strohhalm. Danach noch mehr kuscheln im Bettchen. Kindlein schläft geklammert an mich ein. Gedanken rattern. Erschöpfung überall. Doch kein Schlaf, stattdessen so viel Demut. Über diese Kleinigkeit. Kopfgedanken an andere Kinder mit anderen Schicksalen.

Finde nicht recht in den Schlaf und schaffe so vielleicht zwei oder drei Stunden. Höre die Nachtschwester. Nachts um 4: Kindlein muss auf die Toilette, will die Infusionen los werden. Schleppe uns ins grelle Neonlicht. Danach zurück in den vermeintlichen Schlaf. Irgendwann ist endlich der nächste Morgen. Kindlein matschig, außen und innen. Mama noch erschöpfter als am Tag zuvor. Müdes Reiben der Augen. Gedanken an einen Traum? Dann endlich nach dem Frühstück, bei dem das Kindlein nichts isst, die Visite. Ärztin gibt letzte Anweisungen für die nächsten Tage. Papa ist schon da. Hat Geschenke dabei. Fürs Kindlein. Tapferkeit und so. Werden offiziell entlassen. Packen alles zusammen. Nehmen das Kindlein fest zu uns. Tragen es fest an uns zum Auto. Fahren nach Hause und packen die großen Playmobil Geschenke aus. Langsam kommt das Realisieren. Spannungsabfall. Zwischendurch verdrängen. Zurückgeholt werden durch den Anblick des Kindleins. Ihre Lippen sind stark geschwollen und sollen es auch noch die nächsten Tage bleiben. Am Tag darauf geht es zur Kinderärztin. Alles gut, top genäht, so ihre Aussage. Kindlein knabbert schon wieder kleine Sachen und macht nur Quatsch.

Schnell passiert, schnell vorbei? Monate vergehen. Narben bleiben.. und ja, bis heute sieht man den Unfall. Wir hoffen, dass es sich irgendwann verwächst. 2017 war und ist irgendwie nicht unser Jahr.. herrje..  und daher nehmen wir uns fest vor: keine Unfälle mehr in 2018.